Bella & Bello

Laut Statistik der Tierverkehrsdatenbank Identitas hören 4422 Kühe auf den Namen Bella

Identitas weiss alles und kennt alle. Lena, Lisa, Mia, Sina. Flöckli, Luna, Nina, Nora, Vanille. Simba, Filou, Jimy, Charly, Merlin. Noisette, Nera, Nazza, Bianca. Rocky, Lucky, Max, Jack, Simba, Leo, Balu. Stella, Fiona, Cindy, Lina. Leo, Bruno, Fritz und Carlo.

Fotorat

Für uns soll′s leere Blätter regnen,
Uns sollten sämtliche Wunder begegnen
Die Welt sollte sich umgestalten
Und ihre Sorgen für sich behalten

Und später, sagten wir noch
Wir möchten verstehen, viel sehen, erfahren, bewahren
Und später, sagten wir noch: Wir möchten
Nicht allein sein und doch frei sein
Für uns soll′s weisse Blätter regnen.

Happy Hanukkah!

Es werde Licht – ab heute frisch: endlich wieder gratis Lichtminuten, weil Ekliptik schief.

Für die musikalische Untermalung der Lichterfeste aller rauhen Nächte hier noch ein dringender Anspieltipp aus dem hohen Nordosten, wo Radio Lehmann unermüdlich tönende Perlen vor die Säue wirft. Bei Herzschmerz oder nicht, Radio Lehmann hören ist Pflicht. Bildungsauftrag nur Hilfsausdruck. He simply got the bits which really bite.

Värslischmid

Hans Peter «Mani» Matter (* 4. August 1936; † 24. November 1972)

Der noch immer bekannteste Schweizer Mundart-Liedermacher verunglückte vor 50 Jahren auf der Autofahrt zu einem Konzert in tödlich. Kurz zuvor stellte der begabte Troubadour das Libretto zu seiner Anti-Oper namens «Der Unfall» fertig, worin ein Fussgänger überfahren wird, weil dieser – völlig in Gedanken an eine verpasste Musikkarriere versunken – unachtsam eine Fahrbahn kreuzt.

Matter hat die der heimatlichen Folklore verbundene Berner Mundart mit viel sprachlichem Geschick zu einer dichterisch vielseitigen Ausdrucksform verwandelt, mittels der man durch semantische Verkürzung mit wenig viel sagen kann. Zudem steckt sich in seinen Versen oftmals ein brillanter Wortwitz, der durch humorvolle Entlarvung vom Menschen und seinen Nöten eine Art katharsische Befreiung durch lauthalses Lachen gewährt. Merssi viu mau!

Was ist das Ziel?

Es ist November und der Regen
kriecht durch die Kleider auf die Haut.
Ich geh alleine auf den Wegen
die mir vom Sommer her vertraut.
Wem wohl die kalten Tage nützen?
Was gestern lebte ist heut taub.
Und in den schmutziggrauen Pfützen
ertrinkt der Bäume welkes Laub.
Was ist das Ziel in diesem Spiel,
das der Natur seit je gefiel?
An ein paar Zweigen hängen Blätter,
die heut Nacht der Wind vergaß.
Den Pavillon versperren Bretter,
wo manches Liebespärchen saß.
Sogar die Nester in den Bäumen
sind ohne Leben, ohne Sinn.
Und mir alleine bleibt das Träumen,
weil ich ein Mensch mit Träumen bin.
Was ist das Ziel in diesem Spiel,
das der Natur seit je gefiel.
Ich bin auf einmal so alleine,
wo ist das Glück, das hier begann?
Die kahlen Bäume und die Steine
die schaun mich durch den Regen an.
Ich suche oben in den Sternen
ein wenig Trost für mein Geschick.
Doch der, der Trost sucht, sollte lernen,
er ist vergänglich wie das Glück.
Was ist das Ziel in diesem Spiel,
das der Natur seit je gefiel.
Doch aus Verzweiflung wächst das Hoffen,
das uns die Kraft zum Atmen schenkt.
Zwar bleiben viele Wünsche offen,
weil irgendwer das Schicksal lenkt.
Solange hier bei uns auf Erden
man einen Hauch von Leben spürt,
sorgt das Schicksal für das Werden
und gibt das Glück, wem Glück gebührt.
Das ist das Ziel in diesem Spiel,
das der Natur seit je gefiel.

[Lied Alexandra 1968, Bild Joken 2022]

Lädelisterben

Im Ausgehquartier Langstrasse mit der rotlichtartigen Ventilfunktion sind alteingesessene Läden vermehrt Mangelware. Viele wurden zu Bars, Clubs oder Spätis gentrifiziert. Schirm Fredi aber geht mit der Zeit und setzt auf Mobilität à la Rollkoffer im ziemlich zugigen Viertel vom Chreis Cheib, jedoch nicht ohne einen Farbtupfer zu präsentieren.

Black As Burundi Is No-Go

Kürzlich im Intercity beim Grenzübertritt CH – GER überraschend Personenkontrolle. Natürlich nicht bei uns, nicht bei hellhäutigen Langnasen. Die deutschen Grenzpolizisten überprüften gezielt die dunkelhäutigen Mitreisenden: eine dreiköpfige Kleinfamilie und noch ein weiterer Passagier im Abteil vis-à-vis waren dran; das ganze irritierende Schauspiel zwischen Schaffhausen und Singen dabei in direkter Sicht- und Hörweite. Sie kämen aus Italien und wollten nach Belgien (verrückt, von einem Kolonialland ins direkt nachfolgende, Geschichte wird vorgemacht), hatten aber keine Visa. Aus Burundi die Familie und dem benachbarten Kongo seien sie ursprünglich und das radebrechende Englisch der strengen Grenzschützer beantworteten sie jeweils auf Französisch. Alles Wehklagen und Bitten half nichts und am Grenzbahnhof mussten die Bedauernswerten zur erkennungsdienstlichen Behandlung den Zug verlassen. Unklar was den Aufgegriffenen in den nächsten Stunden blühte, Belgien jedenfalls passé.

Falls Schengen, dann retour ins Erstaufnahmeland, sonst Abschiebung. Abschiebungshaft wohl sowieso. Hilflos konnte der Mutter des Kleinkindes immerhin noch ein Taschengeld und ein aufmunterndes «bonne chance!» mit Wasser in den Augen zugesteckt werden. Tochter sprach von Rassismus.

Racial Profiling

Die Nachbesprechung zur Bewältigung schwierig bis moll; Bundespolizei macht nur Job, muss aber kein Berufswunsch sein. Flüchtlinge machen alles für besseres Leben. Klima, Kriege und wirtschaftliche Ausbeutung erzeugen mehr Flucht. Kontrollen dafür mehr, Frontex nur Hilfsausdruck. Reichtum bewachen oder teilen? Und sowieso – Flucht war und ist immer. Kontrolle im Zug dabei verblüffend zielgerichtet, d`accord. Binnenschengen eigentlich ringsum – Kondukteur als Tippgeber?

Tochter wiederholt Rassismus und hat wohl recht.

Appropriation culturelle

Noch ganz in Gedanken an das traurige Schicksal der offensichtlich vorerst gescheiterten Flüchtlinge tauchte bei der schunkelnden Weiterfahrt langsam zum Stichwort Burundi das Trommelfeuer in den Clubs der 80er-Jahre in Westberlin aus der Erinnerung auf. Da war doch was, richtig: Burundi Black – einer der ersten Ethno-Disco-Hits, welcher häufig in den wilden Nächten gespielt wurde und es dank John Peel sogar in die Dancefloor-Charts schaffte. Eine kurze Recherche ergab, ein sich selbst pseudonymisierender französischer Musiker hatte das von einem Ethnologen bereits 1967 in situ aufgenommene Trommelstück 1971 mit Overdubs versehen und mit einer bogenartige Piano-Melodie arrangiert als Single veröffentlicht. Natürlich krasse Aneignung neokolonialer Art – nix für Burundi, alles für den weissen Beutekünstler. Rein pekunärer Tribalismus, gleiches geschah beim 80er-Remix. Immerhin konnten durch den späteren Chart-Erfolg einige der nachkommenden Trommelwirbler auf Europa-Tour bei den üblichen Festivals ein kleines Auskommen finden. Mutmasslich nicht ganz unwichtig, weil Burundi schon länger ewig unter den letzten fünf auf dem Index der menschlichen Entwicklung.

Diverse Versionen

Die mir damals ohne die ganze Vorgeschichte bekannte Version ist die im Basement 61 wie im edlen Dschungel präferierte 80er-Mischung. Ein Ohr darf man ruhig der etwas kitschigen und doch rauhen Raubkunst der überarbeiteten 7-inch leihen. Das hypnotisch pumpende Trommelgewitter in der Originalaufnahme ist aber hier zu hören:

So – ich geh jetzt mir Dreadlocks wachsen lassen.

What is love?

Der Spielfilm «Drii Winter» wurde in den Urner Bergen im Isental gedreht und weil der Regisseur ausschliesslich Laiendarsteller aus der Gegend einsetzt, wird die archaische Bergwelt und das Leben dort quasi ungekünstelt und direkt umgesetzt. Die tragische Liebesgeschichte wird episodenhaft von einem an antike Schauspiele erinnernden Chor gerahmt. Dieses im Folklore-Outfit auftretende Vokalensemble intoniert auf schönstem Schwyzerdütsch tieftraurige Lieder bis hin zur Todessehnsucht vor einem landschaftlich zwar immer pittoresken, aufgrund von Schneegriesel, fallendem Regen und nackten Fels gleichwohl zunehmend Kälte vermittelnden Hintergrund. Eleganter Kunstgriff, Respekt.

Besamung

Oh baby, don′t hurt me

Eine Erkrankung lässt die Handlungen des zugezogenen Knechts vermehrt unberechenbar und gefährlich werden, so dass dieser aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wird. Sowieso gehört man üblicherweise erst zum Dorf, wenn man drei Winter (!) zusammen verbracht hat. Erst dann ist man akzeptiert. Durch den wiederholten Einspieler des Euro-House-Megahits «What is love?» von 1993 wird das Mundartliche gleichsam gebrochen wie die kritische Frage nach der Belastbarkeit von Liebe gestellt. Es ist verblüffend zu sehen, wie die Laienschar selbst heikle Szenen souverän meistern. Der Regisseur muss sich im Vor- und Verlauf viel Vertrauen erarbeitet haben, sicherlich begünstigt durch die bekanntlich eher offene und zugewandte Art der Ürner.

Don′t hurt me no more

Ein bei aller Schlichtheit ziemlich tiefgründiger Film, der ausgesprochen gut zur kargen Landschaft passt. Persönlich eindrücklich, da bekannte Gesichter auftauchen; besonders rührend ein Kurzauftritt vom Gitschener Ureinwohner Sepp, in gewisser Weise eine Art filmischer Unsterblichkeit. Ohnedies drängte sich die eine oder andere Träne in die Augen – doch das muss dramaturgische Absicht (Drii, Falschbeschuldigung, Fenster für Seele öffnen) gewesen sein. Ein Film als wahres Goldstück.

Goldige Versuchung

186 Kilo pures Gold waren für 14 Stunden unter freiem Himmel in Zürich zu bewundern. Ein kniehoher 12-Millionen-Franken-Würfel lockte Flaneure, Neugierige und FOMOs an: Schnappschüsse, Selfies, betatscht, beäugt, geteilt und manch einer wollte sich sogar draufsetzen. Aber vier Seiten vier Wachen wie bei toter Queen und Securitas versteht keinen Spass. Der Künstler Niclas Castello sagte mir bislang nichts und das achteckige goldene Kalb wollte mir auch nichts sagen. Dass das etwas vulgäre Werk von der Glockengiesserei Rüetschi gefertigt wurde, amüsierte immerhin.

«Fühlt sich an wie Plastik!» entfuhr es einer Kundin, «Aber schön warm!» entgegnete ein anderer. Dem kindischen Begrapschen widerstand ich aufgrund der offensichtlich akuten Ansteckungsgefahr vom legendären Goldfieber tapfer und wiegte derweil beim Abschied meine Gedanken leicht versonnen im Takt von good old Goethe…

Was hilft Euch Schönheit, junges Blut?
Das ist wohl alles schön und gut,
Allein man lässts auch alles seyn;
Man lobt Euch halb mit Erbarmen.
Nach Golde drängt,
Am Golde hängt
Doch alles. Ach, wir Armen!

(Margarete in Faust I)