Automagisch

Zu den Limousinen von Hilfssheriffs und Möchtegern-Patrouillen gesellt sich nun ein eher kompakter Zweitakter de-Luxe, klar erkennbar an den verchromten Stossstangen. Korallrot als ungewöhnlich kräftige Farbgebung lässt auf Baujahr ≧ 1973 schliessen. Der CH-Trabi parkierte im Halteverbot, was den Faktor Seltenheitswert hierzulande signifikant erhöht.

Maskenland

Noch mächtig beeindruckt von der teutonischen Disziplin in Sachen Schutz – zumindest in Wild-Süd-West — hatte der erste Kurztrip nach der Grenzöffnung schon etwas Spezielles. MaskenpflichtWährend in Zürich bis auf das Bahnpersonal kaum jemand Mund- und Nasenschutz trägt, ändert sich die Lage ab dem Rheinfall dramatisch: wie auf Signal packen die Mitreisenden ihre Masken aus, nesteln an Ausrichtung und Sitz der Bedeckung und schauen sich ob der erfolgten Verwandlung interessiert an und um. Als Maskennovize war modisch vorgesorgt, die Sache selbst blieb fremd und ungewohnt. Der Intercity (noch) leer wie nie zuvor, im Reiseziel tauen die Städte und Einkaufscenter erst allmählich und vorsichtig auf. Faktor R momentan näher bei 2 als 1, Tönnies nicht wirklich weit weg. Sein williges Fleisch lächelt zu unmoralischen Preisen aus dem Discounterprospekt. Vor Ort dennoch spürbar der Teamgeist: innerhalb weniger Tage bereits 10 Mio Apps im Umlauf.

Ohne Atempause

Social Distancing bislang eher ungewohnt bei Familienbesuchen, doch selbst ungeübt gleich eingespielt. Das Ding ist ja noch da, unsichtbar lauert es im Supermarkt. Dass die Schweiz nie das Maskenritual durchsetzte befremdet, im grossen Kanton funktioniert es jedenfalls im öffentlichen Leben. Sitzt, sieht gut aus und hat was. Beängstigendes.

PeterstalerDer Atem lässt sich filtriert spürbar zäher inhalieren, umgekehrt ist der in seiner freien Entfaltung gehemmte Odem in der unmittelbaren nasalen Analyse entweder der Nahrungsaufnahme, der hygienischen Verfassung von Mund- und Rachenhöhle oder beidem leicht zuzuordnen. Verdufte Corona!

Beim Zugwechsel retour ist es sicherlich nicht nur der fragwürdigen Kondition geschuldet, dass auf den letzten Metern der Sprintentscheidung bei vollem Marschgepäck im Hauptahnhof die Baumwollmaske noch weit vor dem erfolgreichen Zieleinlauf lechzend runter gerissen werden muss. Dafür grüssen die anstehenden Sommerferien überraschenderweise schon etwas früher und schelmisch an der Weinstrasse, wo der tapfere Schorle-Verweigerer hoch erfreut den ortsansässigen Weissburgunder mit den wundersamen Mineralien aus dem Schwarzwald ausgiebig nachspült.

танк 34

Allein bei der Schlacht um Berlin verlor die Rote Armee um die 80.000 Soldaten, insgesamt kostete der vom Deutschen Reich ausgelöste 2. Weltkrieg nach Schätzungen zwischen 60 und 80 Millionen Menschen das Leben. Am Ehrenmal im Tiergarten sind nicht nur Gefallene beerdigt, dort steht auch ein Original T-34, welcher im Frühjahr 1945 bei der Eroberung Berlins von der Sowjetarmee eingesetzt wurde.

pics by joken 08/05/2020

Die zeremonielle Ablösung der Ehrenwache des einst im Britischen Sektor gelegenen Mahn- und Denkmals konnte man im früheren West-Berlin bis 1990 alltäglich und völlig in Ruhe erleben. Auch heute noch ist der Ort kein Touri-Hotspot, obschon zentral und unweit vom Brandenburger Tor gelegen. Der Legende nach soll das Baumaterial zumindest teilweise von der zerstörten Reichskanzlei Hitlers stammen, ähnlich wie bei der zentralen Gedenkstätte im Treptower Park. Dort gipfelt das Arrangement mit einem auf dem Mausoleumshügel stehenden Rotarmisten, der mit zukunftsträchtigem Blick nebst gesenktem Schwert und Kind auf dem Arm symbolkräftig ein liegendes Hakenkreuz zertritt.

Der Militärrat der sowjetischen Militäradministration in Deutschland hatte im Herbst 1946 einen Wettbewerb zur Gestaltung einer Gedenkstätte ausgelobt, in dem ausdrücklich gefordert wurde, dass nicht der Gedanke des Sieges sondern die Befreiung vom Nationalsozialismus im Vordergrund stehen sollte.

Cпасибо!

 

Mehrwertstadl

In den Schweizer Ligen hat das Virus zumindest vorerst die Oberhand, in Fussball-Teutonien hingegen nimmt die Infektion einen speziellen Verlauf, wobei das Resultat bereits kommerziell fixiert sein dürfte.

Präzedenzfall in Hoffenheim

Konsequenterweise müsste (die DFL) Spiele nun nach jeder Beleidigung unter- oder gar abbrechen. Wer öfters in Stadien unterwegs ist, weiß: Ein Gros der Spiele würde sich fortan ziemlich in die Länge ziehen, oder es oft nicht mal bis zur Halbzeitpause schaffen.

Nach Hoffenheim aber drängt sich der Eindruck auf, die DFL schützt nicht die, die Schutz bräuchten, die etwa Ziel von rassistischen oder homophoben Beleidigungen werden, Minderheiten also. Sondern bislang nur Milliardäre. Die sind zwar auch eine Minderheit, kommen meist aber ganz gut klar.

Die Transparente sind das neueste Kapitel eines Kulturkampfes. Sie richten sich nicht gegen die Person Dietmar Hopp, vielmehr gegen den DFB, die DFL und das Symbol Hopp. Sie sind nur ein Teil der langen Auseinandersetzung der Ultras, die dem Fußball-Establishment den Ausverkauf ihres geliebten Sports vorwerfen. Wer sich nämlich die Mühe macht, alle Transparente aus dem Bayern-Block anzuschauen, der erkennt, dass dort mehr steht: “Alles beim Alten, der DFB bricht sein Wort, Hopp bleibt ein Hurensohn.”

Hopp als Hurensohn zu beschimpfen, ist eine billige und fantasielose Beleidigung, die allerdings erst durch Hopps Empörung unter den Fans immer populärer wurde. Wie ein Kind, dem seine Eltern verboten haben, ein bestimmtes Schimpfwort zu sagen, das dieses aber genau deshalb ständig laut über den Spielplatz schreit. Das mag unreif sein, aber die organisierten Fans haben so immerhin einen Weg gefunden, Aufmerksamkeit für ihre Anliegen generieren. Auch weil sie kaum durchdringen, wenn sie sanfter auftreten.

Kommentar des vollautomatischen Textroboters auf flashscore.de

Im Kommerzapparat Fußball sind Ultras meist die einzigen, die auch mal unangenehm werden können, die stören und sich einmischen. Die Kritik am reinen Geldverdienen üben. An Trainingslagern in Katar. An überteuerten Ticketpreisen. An der Zerstückelung des Spieltags fürs Fernsehen. Dietmar Hopp stand dabei lange für vieles, was ihnen missfällt: Ein Milliardär, der einen besseren Dorfclub bis in die Bundesliga führt, indem er ihn mit Geld überschüttet und dabei die sogenannte 50+1-Regel, nach der ein Geldgeber keinen entscheidenden Einfluss bei einem Verein ausüben darf, allenfalls auf dem Papier einhält.

Die Szenen am Samstag werden eher nicht zur Befriedung beitragen, ganz im Gegenteil.(…) Der Kulturkampf wird sich noch verschärfen.

(aus Zeit online)

Ex·t·re·mi·tät

Genau 10-43 Sekunden, eine Zehnmillionstel Milliardstel Milliardstel Milliardstel Milliardstel Sekunde soll der frühest messbare Moment nach dem Urknall sein. Die Plankzeit, Stichwort Singularität. Soweit so unklar, doch sollte vor dem vermuteten Urknall nicht Nichts gewesen sein. Das Stochern in der Ursuppe, dem Plasma aus elementaren Teilchen nebst Licht, stösst somit an eine Grenze, die für die Physik selbst in der Theorie einfach nicht zu überwinden ist — inschallah.

Ferhat ● Gökhan ● Hamza ● Said Nessar ● Mercedes ● Sedat ● Kaloyan ● Fatih ● Vili

Choral fantastique

F. W. Murnaus «Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen» ist ein melodramatischer Stummfilm und der allererste, den der begabte Regisseur in den USA drehte. Den seinerzeit vorherrschenden expressiven Ausdruck verstärkt Murnau meisterhaft durch raffinierte Schnittfolgen und Doppelbelichtungen. Die Geschichte eines Paares, dessen Ehe durch äussere Einflüsse und innere Spannungen auf tragische Art strapaziert wird, sich glücklich wiedervereinigt, nur um durch ein schicksalhaftes Unglück beinahe für immer auseinandergerissen zu werden, wurde durch das wirklich grossartige Orgelspiel des Überfliegers* Baptiste-Florian Marle-Ouvrard aus Paris anlässlich der Zürcher Orgeltage prächtig in Szene gesetzt.

Gut, Murnaus Bildsprache ist dramatisch genug, um die Erzählung und Spannung des Zuschauers geschickt zu forcieren, doch die quasi musikalische Untertitelung macht die Sache richtiggehend körperlich spür- und erfahrbar wenn das Forte von tiefen tremoloartigen Basspfeifen unterstützt wird. In verblüffender Ähnlichkeit mit Prof. Seifen aus Berlin scheinen die improvisierten Töne direkt aus dem jungen Organisten in die vielmanualige Klaviatur zu fliessen und ganz sanft und elegant wird man mitgenommen in eine Zeit, in der die Kinoorgel noch unverzichtbar war. Live war halt schon immer besser.

*Monsieur Marle-Ouvrard ist Hobbypilot

Delikat Essen LXXXV

Die gutmeinenden Warmduscher der Deutsche Bahn stellen für ausfällige Klimaanlagen im Regionalverkehr kistenweise Mineralwasser als Kompensation zur freien Verfügung ihrer hitzegeplagten Fahrgäste. Dass das Wasser im hochtemperierten Zug in den PET-Flaschen ebenfalls fast den Siedepunkt erreicht, scheinen die arglosen Bähnler eher nicht bedacht zu haben. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint…

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