Legendenbildung


pic: mobilalexa, flair: siebesiech

Verblüffung beim Zwischenhalt

Die Hohle Gasse wurde erst 1934 (neu) angelegt: historisch angelehnt und recht holpriger Pflasterweg, moosige Begrenzungssteine, Tunnel-artig bewachsen. Führt zu einer Kapelle. Diese wurde an jener Stelle errichtet, wo der Freiheitskämpfer den Landvogt heimtückisch ermordet haben soll. Moderne Fünfsprachige Schaufensterinstallation, Geschichte wird auf Knopfdruck erzählt. Auch dass Schiller nie die Schweiz besuchte. Doch mit welch Geschick die Eidgenossen seit über 700 Jahren den Original-Apfel quasi lebensecht konservieren ist fürwahr erstaunlich – da könnte manch Titanen-Mausoleum noch von lernen.

Testfieber

Asymptomatische Weiterverbreitung aufspüren und stoppen ist Sinn jeder Teststrategie in der laufenden Pandemie. Das trickreiche Virus camoufliert permanent und sorgt so für viel zu viel trügerische Sicherheit, da könnte der Gedanke clever-by-design schon mal aufkommen. Stören etwa Antikörper die Rezeptorbindung der Invasoren, kann dies in der Folge zu stärkeren Bindungsanstrengungen des Virus führen, Stichwort Immunescape.

Vor dem Lockdown ist nach der Lockerung und umgekehrt. In der Schweiz stehen jetzt allen Krankenversicherten fünf Schnelltests pro Monat gratis zur Verfügung und ab sofort wird autonom getestet. Den Basler Pharmagiganten Roche wird es freuen und der ist nach 9 Mio. ausgelieferten Tests bereits ausverkauft. Selbstversuch macht also klug – ob jedoch ohne integriertem Lügendetektor positive Resultate allseits gemeldet werden und Quarantäne freiwillig angetreten wird, bleibt leider fraglich.

Abgestrichen, gelöst, pipettiert und abgelesen.
Ein Strich gut, zwei Striche böse.

Die scheinbare Umkehrung der Beweispflicht mag etwas irritieren und zudem ist Vertrauen gut, Kontrolle meist besser. Also wird der Selbsttest vom Hobbytestjunkie im Testcenter professionell verifiziert und das in neuer Rekordzeit von ganzen 37 Minuten von Erscheinen, Entnahme bis Resultat. Geht doch.

The final Lockdown

Obschon die Schweiz sich gerne als Insel der Glückseligkeit betrachtet, vermochte nicht mal ein Parlamentsentscheid der Pandemie den Garaus machen. Die vermeintliche Corona-Diktatur wird weiter angeprangert werden, wobei sich die immer bauernschlaue SVP besonders hervortut. Deren erbberechtigte und milliardenschwere Englischlehrerin Martulla-Blocher fragt derweil bei Diktator Bundesrat für Gesundheit Alain Berset unverfroren nach eventueller Sonderbehandlung ihrer Aussendienstler nach.

Kurvenlage

Was die Daten-Modellierer mit ihren inzidenzbasierten Kurven seit einem Jahr beständig menetekeln traf wiederum ein, nun also eine weitere Welle dank Teilöffnung mit Mutation und zu wenig Serum. Verlässliche Aussagen sind von Politikern kaum zu erwarten, dass aber auch die Wissenschaft beständig irrt, lernt und neu definiert ist schwer vermittelbar. Dabei entwickeln sich biologische Prozesse naturgemäss willkürlich, spontan und eben nicht geradlinig, muss wissenschaftlich basierte Forschung ähnlich flexibel reagieren wie eine Fluchtmutation der aktuellen Viren. Bis Mitte April hier entschieden wird wann es wie weitergeht, wird hobbymässig brav weiter beprobt was Nasen- und Rachenschleimhaut her geben. So bleibt immerhin positiv was negativ ist.

Sauglattismus

In der nett gehypten Sprechblase Clubhouse wird schier endlos gelabert. Wildes Vernetzen und eitler Jahrmarkt nur Hilfsausdrücke. Zahllose Lebensberatungen und allerlei Coachings werden geboten. Einige Perlen abseits der Talks von Gottschalk, Hayali oder Elon Musk sind noch zu finden, falls man clever sucht und folgt. Als elitäres Eintrittsbillet gilt noch das iPhone, doch sollen bald schon die Androiden mit tun dürfen, obwohl es bereits jetzt vermehrt trollt und grollt.

Shout – I am talking to you

Die Authentizität der menschlichen Stimme ist in der dank Corona ewig währenden Fastenzeit quasi ein Alleinstellungsmerkmal geworden, ein sozialer Anker angesichts der sintflutartigen Quarantäne von Bars, Clubs, Messen und anderer öffentlicher Hubs. Der Austausch via virtuellem Stammtisch erscheint dabei ein My persönlicher als Instagram, Twitter und andere verschriftlichte oder bebilderte soziale Medien. Womöglich krault Stimme ähnlich gut wie Mensch manch Fell.

Laugh never fails

Noch ist die Audioapp für richtig schicke Klangbilder trotz aller vorschaltbaren Technik nicht wirklich geeignet, da muss wohl erst die erwartbare Monetarisierung zünden. Bevor es aber die Zuckerberger dann völlig versüssen, herrscht ein turbulentes Chaos und neben globalisiertem Lachyoga gibt es immer was zum Schmunzeln, vor allem wenn sich in esoterisch illuminierten Oasen die Chakren öffnen und das Audio kosmisch blubbert.

  ☻ /
/ ▌
_/\_

Kriechspur

Auf den gut 2000 Höhenmetern des Oberengadiner Seitentals Val Bernina wird für den Unterländer Hobbyausflügler die Luft bereits etwas dünn. Bunte Farben flirren wie wild über den Schneeteppich und es scheint, als wäre die gleissende Sonne eine transzendente Discokugel. Die monotone Konzentration auf Schritt und Tritt wirkt fast meditativ. Geh-Rhythmus und Atem-Tempo üben ein inniges Duett, welches bei den kurzen Anstiegen aus einem gemächlichen Largo in ein wildes Allegro auszubrechen droht, bevor ein obskures Metronom am Wegrand an das Adagio erinnert und letztlich sich alles in einem endorphingesättigten Lento karthatisch prima auflöst.

Grạzcha fich!

Langsamverkehr-Netz Bündnerland

As You Like It

Credit Alex Andra. Flair by me.

Glückspostleser stolpern vor glucksendem Glück durch das Leben der Schönen und Erfolgreichen. Alles bingo, tolle Familienbilder, anmächelnde Homestorys, reine Glückseligkeit. Wie wäre es mit einem Albtraumpost? Wo also richtig die Luzy abgeht, alles sich dreht und windet und das katastrophale Ende gewiss scheint. Jemand schmierte mir heimlich Salbe ins Gesicht. Das Gesicht verblich zusehends und kündete vom nahen Tod, denn das war schliesslich der Giftsalbe Absicht. Die Visage wurde quasi A Whiter Shade of Pale. Irre langsam war die Prozedur, immer unaufhaltsamer das Ausbleichen. Stummfilm in Schwarz-Weiss mit dicker schwarzer Schminke kontrastmässig nur Hilfsausdruck. Ein kurzes Erwachen war desorientierend und so ging es wieder baden im tödlichen Schlummer, welcher den Horrortrip fast wie luzides Träumen auf Befehl zurück brachte. Das Zeitlupenhafte des Unausweichlichen wurde zusehends langweilig, weil alles Um-die-Ecke-träumen, alle verzweifelte Ausweg-Suche nicht half. Abgrundlose Trauer um Hinterbliebene gab den Rest. So kam es zum vorzeitigen Erwachen ohne Schluss, da Ausgang und Ende fix zementiert waren und die Seele nicht alleine weiter wandern wollte. Hinterher kann man immer deuten, hier Presseartikel über Säure-Anschlag, dort Angst vorm Tod der sich bekanntlich meist fies anschleicht. Reizüberflutung. Aber egal, einfach herzhaft in die Glückspost geschaut, das ewig positive Horoskop einverleibt und alles ist wieder gut, Glück pur per Post.

Infected

Just another weird Art-Bot:

Marc Lee kreiert netzwerkorientierte und interaktive Kunstprojekte: interaktive Installationen, Medienkunst, Internetkunst, Performancekunst, Videokunst, Augmented Reality (AR)-Kunst, Virtual Reality (VR)-Kunst und Mobile-Apps.

Zertifiziert

Endlich geschafft – nach unzähligen Versuchen, darunter trial-and-error, jump-and-run, multiple-choice, sowie action-role-playing hat der hobbyschweizernde Cyberenthusiast die finale Hürde endlich gemeistert und die Prüfung zum Maschinentherapeuten zwar knapp aber letztlich überzeugend gemeistert:

Nebelflor im Wolkenmeer

Auf Gitschenen, einem Hochtal oberhalb von St. Jakob im Isenthal (UR) zieht vor dem winterlichen Föhnsturm der Hochnebel in Schwaden an den Bergflanken entlang. Kleine Lichtblicke erlaubt die knapp über den Gipfelkuppen stehende Sonne, die den Nebel an- und vertreibt. Trotz aller Wandererfahrung immer wieder neue Erkenntnisse für den Hobbyschweizer – alpine Wintertouren benötigen bei Neu- und Tiefschnee besondere Unterlagen – Schneeschuhe gehören unbedingt zur Grundausrüstung. Dank gespurter Pisten waren immerhin ein paar Kilometer Schneewanderung machbar und der Gipfelrum bei aller Kälte und frischen Luft hoch verdient.

Se di nubi un velo m’asconde il tuo cielo
pel tuo raggio anelo Dio d’amore!
Fuga o sole quei vapori
e mi rendi i tuoi favori:
di mia patria deh! Pietà,
brilla, sol di verità.                                                                   °

Talwärts beim Zwischenhalt in Bauen am Urner See eine freudige Überraschung – der Hobbyschweizer trifft auf den Komponisten vom meteorologischen Schweizer Psalm und schwört sich schon mal warm.

© pics by abauma