Tschingeling

Die Tschingelhörner erfreuen den Hobbywanderer jedes Mal aufs Neue – ist es eine verwunschene Burg mit offenem Burgtor? Das Tor selbst, hier ob Elm Martinsloch genannt, ist aus dem Spiel jetzt. Definitiv. Schwierigkeit T5 ist ein Gang zu hoch und Helmpflicht ist nicht. Näher ran ans Loch kommen dann die Schutt- und Geröllhalden gut in Sicht, eher schreckhaft noch als der frühe Firn, da heisst es einen Schritt vor, zwei zurück. Ob das über 2000 lange gut geht?

pic: Wadenalex

Der Segnapass gleich links vom Loch scheint dagegen durchaus machbar, doch die Tour heuer war sowieso eher Testlauf in Sachen Equipment und Rucksackvolumen. Der Saisonhöhepunkt rückt schnell näher, und die Schuhwahl fiel im Vorfeld schon schwer genug. Ein wenig Wetterhexen wäre noch prima, selbiges Kaiserwetter in der Bernina ein Traum natürlich.

Wolf und Terror

Tschinglen wie immer märchenhaft, wie immer bei Schönwetter und die Schlucht sowohl zu Fuss wie mit Seilbahn ähnlich beeindruckend. Gämsen hatten sich diesmal allesamt gut versteckt und selbst die Murmelis hatten wohl Angst vorm bösen Wolf, der vis-à-vis tüchtig Schafe und Ziegen blutig beisst, wie auf einem Eingeborenenhandy grausam schön dokumentiert zu sehen war. Statt dem Adler Bräu floss ein Hütten-Kaffi in den Schlund und der war wohl gemixt und angerichtet, so dass die Lust aufs Loch alsbald wieder hoch kam inklusive intensivem Fernglasfernträumen.

Hatten nicht die einstigen Berggänger sich jeweils Mut angetrunken bevor es los ging?

Zuhause dann, beim Sondieren der Berichte all der T5/T6-Cracks, war es schon etwas ernüchternd von den «Schutthängen des Terrors» zu lesen. Also Loch besser von Weit als von Nah, lieber Heil als Drama. Damit das Znacht beim Bergführer in Elm weiterhin fein munden tut.

Exposition

Art en plein Air in Môtiers/NE öffnete mit einem Jahr Verspätung wieder mal ihre Pforten. Alle vier bis fünf Jahren werden in der Schweiz lebende Kunstschaffende eingeladen, ihre Werke in dieser Freilichtausstellung zu präsentieren und platzieren. Ausgehend vom Dorfkern verläuft der Kunstpfad entlang quirliger Bäche, durch Dickicht und Wald, einem imponierenden Wasserfall entlang hinauf zu einer Lichtung nebst Buvette, wo ein- und umgekehrt wird und der Kunstspaziergang dann wieder talwärts zum pittoresken Dorf führt, in dem einst Aufklärer Jean-Jaques Rousseau Zuflucht fand.

(pics by andrea & andi ´21)

Die Kunst selbst ist teils witzig bis dadaesque, dann wieder formal streng oder versucht mit der sie umgebenden Natur zu korrespondieren. Längs gespaltenen Bäume, Karambolage mit Ölfässern, Quadratur mit Kreisen, knallrote Statuen, ein Mobile aus Röhren taumelt im Wind, eine Holzhütte mit bunter Aussicht und die Fassade eines Western-Saloons laden ein zu Betrachtung, Entdeckung und Irritation. Der sehr empfehlenswerte Rundgang führt durch einen hübschen Teil des bezaubernden Feenlands im Val de Travers, wo der Duft vom Echten Wermut homöopathisch die Luft aromatisiert und dessen Destillat an fast jeder Ecke zu einem Rendezvous einlädt.

Gastrokritik

Seit Corona kann man nirgends mehr Dozentin essen , die Kirche std Jakob hat am Eingang 3 kleine Tische für Gäste / Besucher .

Ich fragte schon beim ersten Mal ob ich schnell mein Sandwich sitzend und in der Wärme essen darf . Die Kirchenaufsicht lächelte mir zu und sagte selbstverständlich dürfen sie das ! Ich fühlte mich geborgen und willkommen im Göttes Haus – endlich ein warmer Platz wo ich mein Sandwich geniessen kann . Ich blieb jedesmal Maximum 10 min ich ads und ging ! Es war nicht täglich nur ab und zu ! dann wenn ich nicht zu Hause war und geschäftlich unterwegs war !

Ausserdem hatte ich den Platz immer sauber hinterlassen. Da kam mir eines Tages als ich wider reinging zum essen eine andere Kirchen Aufsicht und bedrohte mich wie eine Furie ?! Sie schrie mich an zeigte mir den Zeigefinger im Gesicht , während ich am essen war so gestört werden und auf solch eine aggressive Art ist daneben ! Ich fühlte mich massiv bedroht und sagte ich werde das melden ! Die alte Dame ca 76 Jahre alt änderte ihr Verhalten schlagartig und verschwand hinter der Türe.

Sie drängte mich in die Ecke sagte es stinkt die ganze Kirche dabei war es mir Salat damals! Es wundert mich dass so frustrierte und assoziale Menschen for die Kirche arbeiten ohne Verständnis und Nächstenliebe ?
Die war wirklich für die Klinik. Danach meldete ich mich bei ihre Chefin die Monika , Monika entschuldigte sich und sagte die Tische sind da zum essen und zum ausruhen für alle gedacht. Ich sagte der Chefin Monika noch , ich hätte genug Kirchensteuer bezahlt all die Jahre und das man in einer Kirche so behandelt und bedroht wird sei eine Schande !

Monika versicherte mir, dass sowas nie mehr vorkommt ,

Diese Alte Frau wurde danach entlassen, da sie mit Menschen nicht normal umgehen konnte und zu aggressiv war.

Ich besuchte die Kirche weiterhin und ass mein essen , da ich dachte es sei erledigt.

Da schaute mich ein ältere Herr von ganz hinten giftig an , ich dachte dem wird das wohl auch nicht passen , ich war knapp 3 min drin und hatte nur ein pouletschenkek in der Hand , dass roh überhaupt nicht stark .

Dann kann er ebenfalls agressiv zu mir und stützte seine Hände auf dem Tisch wo ich ass , schaute mich agressiv an vergriff sich im Ton und sagte packen sie ihres Zeug und gegen sie draussen essen ich will Sie hier nie mehr sehen ! Dann behauptete er die ganze Kirche Right nach dem pouletschenkel, dabei stimmte das gar nicht ! Er war primitiv , aggressiv , ich soll verschwinden wiederholte er 4 mal bis ich aufstand und ging er machte Druck .
Ich war perplex und dachte , dass darf nicht wahr sein , schon wieder und die selbe bösartige aggressive unmenschliche Art wie die alte Dame von damals ! Ich merkte der Mann wollte Frust abladen ! Warum stellt die Kirche solche unfähige grobe unmenschliche Leute ein ? Die werden mit unserem Geld bezahlt ! Ich sagte ihn das er unmenschlich und das ich es melden werde, da mir Monika sagte ich darf hier essen , er sagte dass sagen habe er und niemand anderes in der Kirche er gab mir seine Visiten Karte da stand – Sigrist .

Rezension freundlich zur Verfügung gestellt von Restaurantkritikerin Trulla Vicky.

Service compris

L´hôtel

Im Hotel de la Poste in Fleurier/NE war der Service immer zielgerichtet und das Wohl des Gastes stand unbedingt im Mittelpunkt. Der vorsichtig geäusserte Wunsch nach einer Flasche Absinthe gipfelte in einem Schmuggel vom Elektroladen vis-à-vis und das kostbare Gut wurde mit einem Obolus versehen dramaturgisch geschickt weitergereicht. Der Aufschlag auf den Preis war das Vorgauckeln der jahrelangen Prohibition wegen Abenteuerromantik allemal wert. Die weichen Betten waren adrett gedeckt und das Frühstück immer gleich. Befand man sich in der Aussengastronomie, konnte der Apéritiv bequem per Klingel geordert werden – service complet – falls sich der Tisch an einer der noch funktionstüchtigen Tasten befand.

Den sprachlosen Hasardeuren war dies umso genehmer je mehr Apéro. Zumal die Rechnung eh aufs Zimmer ging, welches praktischerweise auch den Digestif bevorratete. Dass sich die Etage mangels Sterne in Nasszelle nebst Toilette verschlankte störte kaum, da die wankenden Wege zunehmend federten.

One small step for man, one giant leap for fanboys.

L´eye-liner

Madame erinnerte mit ihrem stolzen Silberhaar nebst Kajal – beides mit dem stets schwarzen Oberteil harmonisch korrespondierend – immer ein wenig an die späte Simone Signoret und besass die sicher nötige Ausstrahlung am Tresen. Frühstück wurde meist zum Spätstück, dann wenn die Lobby sich bereits zum ersten Schluck füllte, fast als hätte sich der halbe Ort verabredet, um die Absinthe-Tester beim Hangovern zu begutachten. Vermutlich hatten die orangenen Rentnerjacken eine gewisse Signalwirkung bei den Einheimischen im beschaulichen Städtchen gleich unterhalb des liegen gebliebenen Chapeau de Napoléon.

Leider aber hatten die Nachfahren von Madame eher wenig Interesse an Heimatpflege und das Gasthaus zur Post ist nur mehr Geschichte. Eine spannende Geschichte wäre bestimmt auch, warum sich zumindest ein Teil der Erben vom Val-des-Travers gerade nach Mexiko aufmachte, anstatt das traditionelle Parfait weiter zu perfektionieren.

La mort et cetera

Dass Madame Yolande anscheinend noch vor ihrem André das Quertal verliess überrascht schon etwas, war sie es doch, die den Chef de Cuisine sorgevoll als kränkelnd beschrieb und dabei selbst den weitaus rustikaleren Eindruck machte. Beiden noch ein Merci beaucoup! für die gepflegte Gastlichkeit im Herzen Fleuriers.

Zu allem Unglück fällt auch die diesjährige Ausgabe der Fête de l’Absinthe im Nachbarort wiederholt aus, dafür zelebriert jedoch die um ein Jahr verschobene Kunst an der frischen Luft mitsamt günstiger Gelegenheit von Degustation und Reminiszenz.

Möge der kleine und der grosse Absinthe immer mit uns sein!

Delikat Essen CXI

Surplus, das

Nach der Theorie des Historischen Materialismus wird unter Surplus verstanden, wenn mehr Wert erwirtschaftet wird als für den eigenen Gebrauch und Erhaltung der Arbeitskraft notwendig ist. Dieser zunächst rein bäuerliche Überschuss ist bei dem Übergang zur sesshaften Agrargesellschaft die unbedingte Voraussetzung, damit sich Spezialisierung und Trennung der gesellschaftlichen Tätigkeiten in einer Niederlassung entwickeln können.

Handwerk und Handel, Kunst und Kultur sowie politische und militärische Tätigkeiten bilden sich so erst heraus und erzeugen ein völlig neues gesellschaftliches Machtgefüge, wobei schon nach wenigen Permutationen nicht mehr klar zu erkennen ist, wer welchen und wie viel Wert für den gesellschaftlichen Reichtum schafft und dieser in der Folge schlicht einfacher zu privatisieren ist – sei es durch rohe Gewalt oder politisch bzw. ideologisch motivierte Manipulation.

Hat eine Bank den sublimierten Wert in Geldform alchemistisch gespeichert, gibt sie diesen so leicht nicht mehr her, da sie damit noch mehr Wert schöpfen kann. Die fratzenhafte Überzeichnung der gesellschaftlichen Akteure lässt die beschriebene Transformation als gespenstisches Schattenspiel erscheinen, wo eigenes Handeln und Tun kaum mehr eindeutig als Ursache und Wirkung zu Tage tritt.

Vodookapitalismus

Der Fetischcharakter von Waren führt über den Fetisch Geld schliesslich zur Fetischierung von gesellschaftlicher Macht. Ohne es wirklich zu bemerken verfängt und verheddert sich der Mensch in der kapitalistischen Produktionsweise permanent und unaufhörlich wie in einem Spinnennetz. Im Fortgang wird durch die Abstraktion von Macht und Einfluss die physikalisch teilbare Welt nicht mehr als ein Ganzes gesehen, was negative Auswirkungen bis hin zur Selbstzerstörung hat. Die Aufforderung der Schöpfungsgeschichte wird somit pervertiert: der Mensch macht den Menschen selbst untertänig, gebiert alsbald das gefrässige Untier Kapital und lässt dieses schliesslich seinen eigenen Garten Eden erbarmungslos ausbeuten.

Gut, wenn man das Plus im Herzen trägt und das Bewusstsein das Sein bestimmt.

Delikat Essen CII

Vitamin D – physiologisch gar kein Vitamin sondern Hormon, wird im Körper gebildet wenn UV-Licht unserer Sonne drauf scheint und nützt anscheinend bei Sars-Cov-2. Es braucht sicherlich keine Nahrungsergänzungsmittel, nur frische Luft und Licht für mindestens eine halbe Stunde am Tag. Vielleicht dazu noch eine kleine Prise emotionale Intelligenz plus Granularität. Und falls 3000er im T-Shirt, dann Vitamin D sowieso nur Hilfsausdruck…