Résumé

Nach mehrmonatigen Einschränkungen mit physischen, aber auch psychischen Leid, hatten wir mit der Covid-19-Impfung endlich die Möglichkeit etwas aktiv gegen den Virus zu tun. Das ohnmächtig Verstecken sollte ein Ende haben. Mit der Kirche St. Jakob fand Medix Zürich einen mit anpackenden, entgegen kommenden Partner, den wir für das Durchführen der Impfaktion brauchten. Besonders berührt hat mich die solidarische Zusammenarbeit unter Nachbarn, die während der Pandemie vielerorts leider zu vermissen war.

Feste Lockerung

(pic: mobilalexa, flair: berggeist)

Nachdem das Pfingstwunder wie erwartet glatt zu ersaufen drohte, es gar stürmte und tat, als stünde der Untergang an, derweil die Klimajugend tapfer der Sintflut trotzte und dem Friday for future eifrig huldigte, die Stadtpolizei Zürich bestimmt aber freundlich blieb und es dennoch einfach weiter schiffte, als gäbe es kein Morgen, es dann sogar schneite und mächtige Lawinen donnernd talwärts krachten, genau dann kam die Sonne seufzend über die Täler und Wiesen, stieg höher und beschien Hügel und Berge und selbst die frisch bemehlten Hochgebirgsketten begannen im Strahlenmeer wundersam zu leuchten mit all den gehärteten Seelen, die grad noch im Gestern und doch schon heute sind – einig einzig mit dem Motto aus «Letzte Lockerung», wo Walter Serner im Finale weissagt:

Als sehr verwegener Tausend-Rasta sei nicht zu wild und nicht zu wüst. Es kommt für jeden mal das Basta. Drum achte drauf, daß man dich grüßt.”

Prophezeiung

Pfingstwunder fällt aus, Regen bodigt züngelnde Flämmchen:

Aber drüben, gleich hinter dem Hügel in der grossen, grossen Stadt dürfen sie – frisch getestet und korrekt platziert – wieder auf der Gasse saufen bis elf in der Nacht und lodern werden die Feuerzungen der Erkenntnis, dass Alkohol nämlich keine Lösung nicht ist.

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Surplus, das

Nach der Theorie des Historischen Materialismus wird unter Surplus verstanden, wenn mehr Wert erwirtschaftet wird als für den eigenen Gebrauch und Erhaltung der Arbeitskraft notwendig ist. Dieser zunächst rein bäuerliche Überschuss ist bei dem Übergang zur sesshaften Agrargesellschaft die unbedingte Voraussetzung, damit sich Spezialisierung und Trennung der gesellschaftlichen Tätigkeiten in einer Niederlassung entwickeln können.

Handwerk und Handel, Kunst und Kultur sowie politische und militärische Tätigkeiten bilden sich so erst heraus und erzeugen ein völlig neues gesellschaftliches Machtgefüge, wobei schon nach wenigen Permutationen nicht mehr klar zu erkennen ist, wer welchen und wie viel Wert für den gesellschaftlichen Reichtum schafft und dieser in der Folge schlicht einfacher zu privatisieren ist – sei es durch rohe Gewalt oder politisch bzw. ideologisch motivierte Manipulation.

Hat eine Bank den sublimierten Wert in Geldform alchemistisch gespeichert, gibt sie diesen so leicht nicht mehr her, da sie damit noch mehr Wert schöpfen kann. Die fratzenhafte Überzeichnung der gesellschaftlichen Akteure lässt die beschriebene Transformation als gespenstisches Schattenspiel erscheinen, wo eigenes Handeln und Tun kaum mehr eindeutig als Ursache und Wirkung zu Tage tritt.

Vodookapitalismus

Der Fetischcharakter von Waren führt über den Fetisch Geld schliesslich zur Fetischierung von gesellschaftlicher Macht. Ohne es wirklich zu bemerken verfängt und verheddert sich der Mensch in der kapitalistischen Produktionsweise permanent und unaufhörlich wie in einem Spinnennetz. Im Fortgang wird durch die Abstraktion von Macht und Einfluss die physikalisch teilbare Welt nicht mehr als ein Ganzes gesehen, was negative Auswirkungen bis hin zur Selbstzerstörung hat. Die Aufforderung der Schöpfungsgeschichte wird somit pervertiert: der Mensch macht den Menschen selbst untertänig, gebiert alsbald das gefrässige Untier Kapital und lässt dieses schliesslich seinen eigenen Garten Eden erbarmungslos ausbeuten.

Gut, wenn man das Plus im Herzen trägt und das Bewusstsein das Sein bestimmt.

Impfkirche

«Wir wussten, dass wir irgendwann Impfstoffe bekommen aber in unseren Praxis-Räumlichkeiten nicht genügend Platz für die Impfaktion wäre. Nach unserer Anfrage bei der Kirchgemeinde und einer Besichtigung der Räume mit dem hilfsbereiten Sigristen fiel schnell der Entscheid, dass sich die vis-à-vis gelegene Kirche optimal für diesen Zweck eignen würde» erklärt Dr. med. Jürg Leuthard von der Medix Notfallpraxis.

Die Citykirche Offener St. Jakob hat eine lange Tradition der teilweise unkonventionellen Kirchen-Nutzung. «Für uns am Standort war natürlich klar, dass wir hier natürlich die Hand reichen und die Räumlichkeiten für diesen Zweck zur Verfügung stellen werden» erläutert Chef-Sigrist Andreas Peter. Die Tradition vom ehedem knapp ausserhalb der Stadt gelegenen Seuchenhauses zu St. Jakob würde so zudem schlüssig fortgeführt. Die gut 300 Impftermine am ersten Tag waren rasch ausgebucht und die Premiere an der ungewöhnlichen Impfstätte ging fast reibungslos über die Bühne, wäre nicht kurz vor Schichtende überflüssigerweise Trulla-Alarm ausgelöst worden.

Es bleibt dennoch der faszinierte Eindruck einer speziellen Aura der Dankbarkeit von den Corona-müden Impflingen haften, welche deutlich wahrnehmbar im Kirchenraum waberte. Vielleicht Heiliger Geist, zumindest auch Vorgeschmack auf Weihrauch 3.0.

(Interviews & Text: Andrea Bauhof)

Jakobsleiter

Nachdem die Resultate der repetitiven Testreihe bei einem Zwischenstand von 10-0 für den Hobbytester gegen das Virus eine deutliche Sprache sprechen, startet als nächste Offensive das lange geplante Impfcenter. Eine weitere Chance zur Immunisierung, zumal in der digitalen Warteschlange auf Vacme innert Minuten alle 54.000 Mai-Termine im Kanton Zürich schnell geklickt waren. Der Umschlag von Quantität in Qualität ist in der reichen Welt bereits erkennbar und sollte rasch erfolgen, will man mutierte Varianten einigermassen im Zaume halten. Hase-Igel nur Hilfsausdruck. Und der olle Jakob freut sich bestimmt angesichts der Karriere vom Siechenhaus zur Impfstation, die uns den Himmel auf Erden wieder etwas näher bringen sollte…

Testfieber

Asymptomatische Weiterverbreitung aufspüren und stoppen ist Sinn jeder Teststrategie in der laufenden Pandemie. Das trickreiche Virus camoufliert permanent und sorgt so für viel zu viel trügerische Sicherheit, da könnte der Gedanke clever-by-design schon mal aufkommen. Stören etwa Antikörper die Rezeptorbindung der Invasoren, kann dies in der Folge zu stärkeren Bindungsanstrengungen des Virus führen, Stichwort Immunescape.

Vor dem Lockdown ist nach der Lockerung und umgekehrt. In der Schweiz stehen jetzt allen Krankenversicherten fünf Schnelltests pro Monat gratis zur Verfügung und ab sofort wird autonom getestet. Den Basler Pharmagiganten Roche wird es freuen und der ist nach 9 Mio. ausgelieferten Tests bereits ausverkauft. Selbstversuch macht also klug – ob jedoch ohne integriertem Lügendetektor positive Resultate allseits gemeldet werden und Quarantäne freiwillig angetreten wird, bleibt leider fraglich.

Abgestrichen, gelöst, pipettiert und abgelesen.
Ein Strich gut, zwei Striche böse.

Die scheinbare Umkehrung der Beweispflicht mag etwas irritieren und zudem ist Vertrauen gut, Kontrolle meist besser. Also wird der Selbsttest vom Hobbytestjunkie im Testcenter professionell verifiziert und das in neuer Rekordzeit von ganzen 37 Minuten von Erscheinen, Entnahme bis Resultat. Geht doch.

Testcentertest

A-Note

Zentral gelegen, unweit Arbeitsstelle, viel Veloparkraum. Grosszügiger Zeltbau fungiert als Schleuse. Vorne rein, hinten raus. Empfang freundlich, Wartezeit trotz Termins zu lang.

 

 

 

 

B-Note

Personal professionelles Outfit plus Handling. Ganze Prozedur bis zur Verkündigung satte sechs Stunden – ein Schnelltest geht schneller. Spontane EDV-Havarie berücksichtigt, Hilfspunkt für vorösterlichen Besucherandrang. Ergebnis wie gehabt.

Angelic Reinforcement

Zungenreden für den US-Wahlsieg — Paula White, das reich geworden und Reichtum predigende evangelikale Sprachrohr des noch amtierenden POTUS betet aller Albernheit zum Trotz inbrünstig die Unterstützung himmlischer Heerscharen herbei, scheinbar um die bösen Räuber eines Gottesplans abzuwehren. Das Unfassbare bleibt immerdar. Jezzes.

«…or robot that commander.»

Geheimplan

Abbie Richards hat sich grafische Mühen gemacht gängige Verschwörungstheorien von «tatsächlich passiert» bis hin zu «krankhaften Wahnvorstellungen» bunt und schlüssig aufzubereiten. Ist vielleicht doch der jüngst entdeckte blöd machende Hirnnebel dafür ursächlich? Oder ist der super geheime Plan gar völlig offensichtlich – eat the rich!