Arty-farty

Kunstmesse? I would prefer not to.

Eine Freikarte lockte mich aus meinem Bau ins Freie nach Basel – Art 42. Watn Auftrieb, wat für Menschen: geführte Kunstliebhaber, windschnittige Galeristen, Businesstypen, Aufmerksamkeit heischende Selbstdarsteller und ein paar wirkliche Unikate. Unüberhörbar international, babylonisch fast, doch immer pittoresk und ziemlich gediegen. Eine Ahnung von viel viel Geld liegt in der Luft.

The Art Newspaper titelt: «Sales forcast: fair». Fair enough. Untertitel: «Collectors appetite for more challenging work return — but most expensive items await buyers.» Aha, Kleinkunst kostet zwar weniger, aber die Verdauung der Sammler ist der gestiegenen Anspruchshaltung gewachsen. Boomfaktoren werden auf der Leistungsschau penibel notiert.

Selbst kaum Sammler und noch weniger Galerist liess ich die kleintierzüchtermässig aufgebaute Verkaufsschau links liegen und konzentrierte die Sinne auf die Begutachtung der Art Unlimited-Halle. Gegenwartskunst — gross und auffallend präsentiert. Im zweiten Stock ein Kinderhort, wo kunstaffine Eltern ihre spielsüchtigen Kids parkieren können. Letztere haben dort wirklich ihren Spass, nur eines weinte und schrie ausdauernd.

Zwei Stunden später dann mit Kind endlich runter und rein ins Marktgeschehen. Ein Schmunzeln — hm, da hat also jemand eine Erdkrume in seine Ausstellungsbox gepackt und das funktioniert?

 Petrit Halilaj – Art Statement

Es funktioniert weil brachial und ganz und gar ungekünstelt. Nichts ist realer als die Wirklichkeit. Auch wenn Gras darüber wächst…

Dann eine Offenbarung: ein Triple-Mobilee aus runden Audiospotlights und Spiegeln. Holosonic-Guru Josef Pompei entwickelte die Lautsprecher, welche einen gebündelten Ultraschall aussenden. Der Soundtrack erinnerte zunächst an AMM, rasch wurde jedoch hörbar, dass da mehr drin sein muss. Multitracks, Multilayers und Aufnahmen vom Jodrell-Bank-Radioteleskop wurden mit Eigenkompositionen des Künsters gemischt und ergaben einen sphärischen Raumklang der die Hirnrinde angenehm reizte. Tolle Sache, anregende Hörerfahrung!

Erwartungsgemäss, könnte man meinen, da der Konzeptkünstler früher viel mit Derek Jarman und Throbbing Gristle gewerkelt hat.

Cerith Wyn Evans – C=O=N=S=T=E=L=L=A=T=I=O=N
(I call your image to mind)

Das Kind ist jedenfalls prima dabei eingeschlafen und das Lustwandeln konnte in ungeordneten Bahnen weiter gehen.

Das Messe-Publikum selbst übte zunehmend die grössere Faszination auf mich aus: was da alles rumläuft und wie! Schick, schräg, schön. Sicher gab es noch die eine oder andere ansprechende Arbeit, an Erdkrume und Klang-Mobile kam aber nix mehr ran.

But this one is for Joken:
Irgendwie bin ich dann doch eher zufällig über die Box von Erik van Lieshout gestolpert, obwohl die fünf Meter hoch und direkt am Eingang/Ausgang platziert war. Der Name des Ex-Sparringpartners war mir wieder einmal entfallen — einfaches Resultat zu vieler Kopftreffer…

In der Box lief ein Film, den ich aber bloss bis zur eindeutigen Identifizierung meines früheren Kontrahenten anschaute, schliesslich konnte das Kind ja plötzlich aufwachen oder in einem unbewachten Augenblicke gar entfleuchen. Von aussen war die Box eh schöner.

Zum Abschluss des Tagesausflugs in die illustre Kunstwelt gab es noch ein Stelldichein mit der Miss Art:

Vielleicht hat der unbekannte Sprayer nicht ganz unrecht, als er kundtat:

«Kunst ist ein Code der Gebildeten,
um sich über die Unterschicht amüsieren».

Amen.

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