танк 34

Allein bei der Schlacht um Berlin verlor die Rote Armee um die 80.000 Soldaten, insgesamt kostete der vom Deutschen Reich ausgelöste 2. Weltkrieg nach Schätzungen zwischen 60 und 80 Millionen Menschen das Leben. Am Ehrenmal im Tiergarten sind nicht nur Gefallene beerdigt, dort steht auch ein Original T-34, welcher im Frühjahr 1945 bei der Eroberung Berlins von der Sowjetarmee eingesetzt wurde.

pics by joken 08/05/2020

Die zeremonielle Ablösung der Ehrenwache des einst im Britischen Sektor gelegenen Mahn- und Denkmals konnte man im früheren West-Berlin bis 1990 alltäglich und völlig in Ruhe erleben. Auch heute noch ist der Ort kein Touri-Hotspot, obschon zentral und unweit vom Brandenburger Tor gelegen. Der Legende nach soll das Baumaterial zumindest teilweise von der zerstörten Reichskanzlei Hitlers stammen, ähnlich wie bei der zentralen Gedenkstätte im Treptower Park. Dort gipfelt das Arrangement mit einem auf dem Mausoleumshügel stehenden Rotarmisten, der mit zukunftsträchtigem Blick nebst gesenktem Schwert und Kind auf dem Arm symbolkräftig ein liegendes Hakenkreuz zertritt.

Der Militärrat der sowjetischen Militäradministration in Deutschland hatte im Herbst 1946 einen Wettbewerb zur Gestaltung einer Gedenkstätte ausgelobt, in dem ausdrücklich gefordert wurde, dass nicht der Gedanke des Sieges sondern die Befreiung vom Nationalsozialismus im Vordergrund stehen sollte.

Cпасибо!

 

Himmelszeichen

Astrologische Rätselrunde schafft es zumindest in den Untertitel:

Zum Glück sind es immer noch Astronomen, die Kometen entdecken und beobachten. Astrologen sind oft in Kreuzberger Falafel-Buden zu finden, und haben im Frittierdunst metaphysische Erwartungen nebst spiritueller Erscheinungen. Jedenfalls ist der sich im «Todeskampf am Abendhimmel» befindende Komet ATLAS sehr bald  wieder zerbröselte Geschichte. Der neue kosmische Held am Frühjahrshimmel heisst nun zwar nicht Mahdi, sondern wissenschaftlich trocken C/2020 F8 SWAN, aber wäre so gerade noch mit unbewaffnetem Auge beobachtbar, falls er sich von unserer Sonne schön erwärmt nicht ins Nichts vaporisiert.

Cliffhanger

Ob die permanente Krise des Kapitals nun systemrelevant ist, wird sich noch weisen. Der selbst reproduzierende Kapitalismus in all seinen globalen Mutationen ist ja bereits der resistente Virus par excellence.

Aus noch sämtlichen Konflikten, gerade und besonders denjenigen, welche kriegerisch ausgetragen werden, geht der krisenerprobte Kapitalismus als strahlender Held & Sieger hervor, scheinbar sämtlichen Gegnern hoch überlegen. Als Alleinherrscher über den Wert – schöpfend und verteilend – gleicht die Abhängigkeit des Einzelnen der eines Junkies. Fetisch Geld gilt als Grundstoff von Austausch und Kommunikation, als universelles Schmiermittel in den Beziehungen der Menschen untereinander. Seit aus Jägern und Sammlern besitzende Hirten und Sesshafte wurden, gewinnt das schwarze Loch der Kapitalisierung von Arbeit und Leben zunehmend an Sogkraft. Dass gerade jetzt, wo viele Menschen «frei gesetzt» werden, keine organisierten Demonstrationen möglich sind, ist kurz vor dem 1. Mai doppelt bitter. Angesichts anhaltender Kontaktsperre lässt sich selbst durch den Schleier von Notverordnung, Versammlungsverbot und Contact-Tracing unschwer die Dystopie von dominanter Exekutive und wachsender sozialer Unzufriedenheit erahnen – Apocalypse now, Revolution later.

E pluribus unum

Die offensichtlichste Schlacht um die öffentliche Meinung tragen China und die USA darüber aus, wer verantwortlich ist dafür, dass Covid-19 zu einer Pandemie werden konnte. (…) Abseits solcher staatlich organisierten Desinformation ist aber jeder einzelne Social-Media-Nutzer im Zweifel gerade ein Corona-Propagandist. (…) Es gibt die üblichen Verschwörungstheorien, die gezielt in Umlauf gebracht werden. Rechtsextreme etwa nutzen das Virus, um damit ihre Verteufelung von Migration zu begründen. Auch die Menge an Fake-Produkten ist enorm, die nun beworben und vertrieben werden übers Netz, falsche Atemschutzmasken, falsche Pseudomedikamente, solches Zeug. Dann existieren unzählige Gerüchte, von denen manche mutmaßlich nicht einmal mit bösen Absichten in die Welt gesetzt wurden, von “Ich habe gehört, Alkohol soll helfen” bis “Mein Bruder arbeitet im Krankenhaus und sagt”.

Trump, Xi

Die Bedeutung gezielter Propaganda von oben nimmt tendenziell ab, die der Propaganda von unten eher zu. (…) Es ist nicht neu, dass Leute am ehesten die Darstellungen von Wirklichkeit akzeptieren, die in ihr Weltbild passen. Das Angebot an vermeintlichen Realitäten ist nun aber extrem gestiegen. Das Modell staatlicher Propaganda des 20. Jahrhunderts funktionierte noch nach der Gleichung zwei plus zwei ist fünf – selbst wider besseren Wissens sollten die Leute das offenkundig Falsche glauben. Heutzutage machen soziale Medien Falschinformationen nicht nur erheblich leichter verfügbar und verbreitbar. Das Entscheidende ist, dass aus diesen Falschinformationen geschlossene Weltbilder konstruiert werden können, um die sich politische, gesellschaftliche und kulturelle Identitäten gruppieren. Die neuzeitliche Propaganda versucht nicht mehr, den Leuten Unfug einzuhämmern, sondern in sie hineinzukriechen. Das ist ein klassischer Marketing-Ansatz.

Black Matters, E pluribus unum, Trump 2017, Fake News

Das Problem ist nicht der einzelne Bullshit, den Leute posten, sondern die massenhafte Verbreitung von Bullshit.

Es ist völlig eindeutig, dass etwa die YouTube-Algorithmen krassen Content belohnen – es ist ein Designfeature dieser Algorithmen, dass sie Nutzer bevorzugt etwa auf verschwörungstheoretische Inhalte leiten, weil die Leute die wahnsinnig gut klicken. Es wäre YouTube oder seinem Mutterkonzern Google sehr einfach möglich, einen eher BBC-artigen Algorithmus zu benutzen, der einen ausbalancierten Mix von Inhalten ausspielt, wenn man Worte wie “Covid-19” oder “Krieg in Syrien” eintippt.

In der deutschen Sprache gibt es den schönen Begriff Alternativuniversum, und in dem leben rund 15 Prozent der Bevölkerung in ihrem abgeschlossenen medialen Umfeld. Was dort weiter geschieht, wird interessant sein. Jeder Gegenstand der öffentlichen Debatte wird innerhalb ihrer strukturellen Bedingungen verarbeitet, und die haben sich durch Covid-19 nicht verändert. Sie werden es auch nicht.

 

Aus einem Interview mit Peter Pomerantsev auf zeit.online

Wir sind Virus

Das also ist der trendige Lockdown, noch immer leicht diffus, weil gleichzeitig so abrupt, so irritierend und so faszinierend. Wieder mal klar deutlich geworden, dass Zeit sich tatsächlich beinahe endlos dehnen und dadurch sogar verzerren kann. Diese Erkenntnis ist nicht völlig neu oder überraschend, Wartestress ist aus Kindertagen noch gut erinnerlich: Weihnachten, Ferien, Geburtstag spielten in ähnlichen Ligen wie nun die Hoffnung auf das Serum oder den entfesselten Freigang. Furcht und Sorge nur Beifang. Airborne viruses everywhere.

Das allgemeine Dauerschwänzen im überbordenden Frühling, die zahlreichen Videotelefonate mit Kollegen, Freunden und Familie, die Kontaktsperre ≥ zwei Meter, die leeren Regale und die realen Ängste, das permanente Händewaschen, die fast schon autistische Vorsicht, das dominante Desinfektionsmittel und die vielen Masken. Bunte Masken, schräge Masken, übertriebene Masken, lässige Masken, Maskenwahn und Maskenpflicht. Das Raum-Zeit-Kontinuum wird neu beschrieben: Nerds drucken Plastemasken. Autofabriken Atemmasken. Computerfirmen Schutzmasken. Alles in 3D für 4D. Und dazu Geld, neuerdings von Bazookas weit gestreut. Allgegenwärtige Virenpäpste und Epidemiologen senden auf allen Kanälen. Gewollte Desinformation von Scharlatanen und Intriganten chaotisiert. Preppern deucht es geil.

Lichtmess

There is a crack, a crack in everything
That’s how the light gets in.

Leonard Cohen, Anthem 1992

Obiges Zitat zitiert Igor Levit auf seinem Twitter-Account. Levit ist ein kluger Kerl, einst rübergemacht, angekommen und weitergereist. Einer der sagt was er denkt und denkt was er sagt. Und mitteilt. Auf Twitter führt er seit dem Lockdown täglich seine Hauskonzerte durch, immer um 19 Uhr streamt er live aus seinem Berliner Wohnzimmer. Zwar mit bescheidener (weil selbstgestrickter) Bild- und Soundqualität, dennoch eine grosse Geste eines grossen Musikers, der so auch auf die Existenznöte nicht ganz so berühmter und erfolgreicher Künstler hinweist, deren Auftrittsmöglichkeiten in naher Zukunft nur mehr eingeschränkt, wenn nicht sogar unmöglich sein werden. Gewiss hat Levit als hoch subventionierter Act einen ganz anderen Stand, er ist als Pop-Star der klassischen Klaviermusik aber immer zugänglich und aufmerksam geblieben. Auf Levits Twitter-Account sind die Konzerte jederzeit nachzuhören, gleichzeitig sind Details über Werk und Komponist sowie Levits eigene Verfassung zu erfahren. Ein Geschenk.

Levit is quite unique.

Live Development

Dagie B hat in ihrer temporären Kunst-Quarantäne in Schonen (SWE) unlängst eine kleine Live-Session veranstaltet. Die etwas pixelige Live-Handyübertragung war lehrreich und amüsant, typisch quasi für das Pippilottaland. Ein Zuckerrübenkrautsud wurde mit Vitamin C gut gewürzt. Einen kleinen Einblick vom Kochkurs gibt es dort auf Vimeo:

Foreign Virus

Nein, das Kapital hat nichts zu befürchten. Dieses Virus wird zwar mit einigen Gewissheiten aufräumen. Das weltweite Privateigentum allerdings wird, so viel ist sicher, hierzulande auch in Zukunft Asyl finden. Denn ganz im Gegensatz zu flüchtenden Menschen übertragen Sach- und Geldwerte keine ansteckenden Krankheiten.

Und deshalb gewährt man auch den Malern und den Gipsern eine Ausnahme von den geltenden Hygieneregeln: Die Handwerker können den Sicherheitsabstand nicht einhalten. Eigentlich müsste man die Baustellen deswegen schließen. Aber das wäre unverhältnismäßig. Erstens ist das Baugewerbe systemrelevant, und zweitens handelt es sich bei dieser Berufsgruppe in erster Linie nicht um Schweizer, sondern um Ausländer.

              Essay von Lukas Bärfuss über den Virus und die Schweiz

Senizid

In Krisenzeiten wie heute kämpfen in gewohnt übler Manier Natur und Wirtschaft als bloss vorgeschobene Player, das nur Wohlhabende selig machende Goldene Kalb wird von der neoliberalen Denke überhöht. Und schon kommt ein zynisches Statement wie vom Vize-Gouverneur des US-Gliedstaates Texas daher, in dem es unverblümt heisst, Ältere sollten besser sterben bevor die Wirtschaft abstirbt. Stillschweigend wollte man im Vereinten Königreich zunächst auf Herdenimmunität setzen, ehe mathematische Modelle warnend eine abrupt hohe Zahl von Todesopfern prognostizierten. Sozialdarwinismus bleibt moralisch und gesellschaftlich ein ziemlich heisses Eisen, wobei es einige historische und selbst zeitgenössische Beispiele gibt und in Zeiten von Genschere Begriffe wie Euthanasie allzu gerne neu verhandelt werden.

Der Senizid oder Alters-Pflicht-Suizid trat als Sitte global, aber nicht ubiquitär auf. Bis in die Erzählmotive hinein finden wir über weit entfernt liegende Kulturräume hinweg Gemeinsamkeiten und Konstanten, etwa das Tragen der moribunden Alten auf einen Berg. In frühen Erzählungen wird der Senizid umstandslos gerechtfertigt; spätere Berichte lassen bei der Überwindung und Warnung vor dem Töten der Alten humane Argumente zu. Oft äußerst sich die der Senizid rituell, öffentlich und festlich, manchmal auch still und individuell. Dem eigentlichen Senizid konnte eine lange Phase der Segregation – Marginalisierung, Missachtung und Ächtung vorausgehen – und geht heute wieder voraus! Die Alten wurden zunehmend verspottet, ignoriert, dann vernachlässigt, etwa indem ihnen das Essen weggenommen wurde und sie zum Betteln gezwungen waren, bis der Leidensweg in Euthanasie oder dem Verlöschen ein Ende fand. Ein Senizid ist nie Ausdruck einer extrem barbarischen Gesinnung, sondern setzt die hoch entwickelte Gedankenwelt von Bauern oder Hirten voraus und dient dem verantwortungsbewusstem Ziel, das Überleben des Clans zu sichern.

(Pousset,Raimund 2018,Senizid in der Vergangenheit,Springer Wiesbaden)

«Keine Denkverbote, wird man wohl noch sagen dürfen» tönt bereits in den Ohren und womöglich fordere eine kräftige Wirtschaftsbaisse doch viel mehr Opfer, fleissig gerechnet und verglichen wird bereits. Es wird sich weisen, ob der kapitalistische Populismus oder der Gemeinsinn reüssiert. Als kollektives Wesen ist der Mensch soziologisch betrachtet auf Kooperation ausgerichtet, soziale Intelligenz zielführender und essentieller als Konfrontation. Äusserer Druck und innere Ungleichheit werden gerne als Faktoren für wachsenden Chauvinismus im Sinne des auseinander driften der Gesellschaft angeführt (Lagerkomplex — keiner thematisiert oder versteht das Andere). Die sozialökonomische Struktur steht durch die vom Virus ausgelösten Drucksituation vor einer riesigen aber unvermeidbaren Herausforderung, gewohntes gerät ins Rutschen und Diskurse wie ein bedingungsloses Grundeinkommen werden thematisch weiter in den Mittelpunkt rücken. Hasta siempre!

Delicat Essen XCIII

My dear friend, former colleague, once but still fan-of, one-time lover and such, the both undisputed and unconquered Super-8-Queen of todays known universe, the one and only Dagie B is just spending her time at a tiny house in a sort of art quarantine in the South of Sweden. As a guest of the Goethe-Institut she is transforming the sea to see, merging light and shadow into vision to present her very imagination of our wobbling and yet so curious planet. No doubt agitated by the ongoing outbreak of the sad disease her personal impressions will certainly highlight some dagiesque insights of nature in development.

from tram by chance © dagie 2020

Happily she will research for an antidote to the current crisis with her best and strongest ingredients: beautiful pictures and well handcrafted artistic movies. Me is really looking forward to enjoy her funky Baltic work and it remains a whishful thinking that D. Longstocking will return save with a pocketful of gems plus some glitter of hope – heja!

 

© 2008-2020 La multiplication des atomes