Automagisch

Zu den Limousinen von Hilfssheriffs und Möchtegern-Patrouillen gesellt sich nun ein eher kompakter Zweitakter de-Luxe, klar erkennbar an den verchromten Stossstangen. Korallrot als ungewöhnlich kräftige Farbgebung lässt auf Baujahr ≧ 1973 schliessen. Der CH-Trabi parkierte im Halteverbot, was den Faktor Seltenheitswert hierzulande signifikant erhöht.

Stay Hungry. Stay Foolish.

No one wants to die. Even people who want to go to heaven don’t want to die to get there. And yet death is the destination we all share. No one has ever escaped it. And that is as it should be, because Death is very likely the single best invention of Life. It is Life’s change agent. It clears out the old to make way for the new. Right now the new is you, but someday not too long from now, you will gradually become the old and be cleared away. Sorry to be so dramatic, but it is quite true.

Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life. Don’t be trapped by dogma — which is living with the results of other people’s thinking. Don’t let the noise of others’ opinions drown out your own inner voice. And most important, have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary.

(Steve Jobs vor Stanford-Absolventen 2005, vollständiges Manuskript)

Hells Bells

Derweil dinoströse Wechselstrom-Rocker auf ihrem offensichtlich mit Penunzen beschilderten Pilgerweg durchaus mal einen Freitag nehmen, geht es im Chez Jaques weiter rasant und abwechslungsreich zu. Gerade erst haben die religiösen Sozialisten neue Wege gesucht und vielleicht sogar gefunden, da tut sich im interreligiösen Miteinander ganz neu eine alte Welt auf: Dichtestress im kasten-dominierten Indien versus westlich gewünschter karma-technischer Freizügigkeit. Ganesh thront zur Begrüssung auf dem Opferstock, Räucherstäbchenmystik und Meditationskissen für den Gast aus Indien, welcher aus seinem freiwilligen Alltag als hinduistischer Mönch erzählt. Doch höre ich kaum mit einem Ohr zu: mir scheint die beschriebene Welt viel zu weit weg, als dass ich sie wahrnehmen könnte. Mich interessiert kein Bericht vom Klosterleben in einem Ashram am Ganges, will nichts wissen von fernen Religionen, welche bloss exotische Weisheiten tradieren und dank globaler Sinnsuche adrett, aber völlig bezugslos in spirituellen Wohlfühloasen aufblitzen — kulturelle Aneignung (younameit!) sucks for me.

Freiheitswacht

Vermehrt fahren sie Patrouille, die selbsternannten Hilfssheriffs der selbstdefinierten Freiheit. Noch scheinen sie unbewaffnet, bis auf die Augen, die gerne zusammengekniffen, meist aber sonnenbebrillt tunlichst scharf sehen sollen. Mit der für Strassenkreuzer typischen Überlänge ragt das Heck ein gutes Stück weit aus der Parkbucht. Der sich penibel um sein Dienstfahrzeug sorgende Hilfssheriff muss also selbst nach Feierabend auf seinem lautstark knatternden Motorrad noch eine Extrarunde drehen, um allgegenwärtige Bereitschaft und Aufmerksamkeit zu demonstrieren und allfällige Blechschäden möglichst rasch begutachten und weiter melden zu können.

Dass die Patrouille just in diesem Jahr ihr 23-jähriges Jubiläum feiert, sollte doch allen Verschwörern zu denken geben – oddärr!?

Lichtmess

There is a crack, a crack in everything
That’s how the light gets in.

Leonard Cohen, Anthem 1992

Obiges Zitat zitiert Igor Levit auf seinem Twitter-Account. Levit ist ein kluger Kerl, einst rübergemacht, angekommen und weitergereist. Einer der sagt was er denkt und denkt was er sagt. Und mitteilt. Auf Twitter führt er seit dem Lockdown täglich seine Hauskonzerte durch, immer um 19 Uhr streamt er live aus seinem Berliner Wohnzimmer. Zwar mit bescheidener (weil selbstgestrickter) Bild- und Soundqualität, dennoch eine grosse Geste eines grossen Musikers, der so auch auf die Existenznöte nicht ganz so berühmter und erfolgreicher Künstler hinweist, deren Auftrittsmöglichkeiten in naher Zukunft nur mehr eingeschränkt, wenn nicht sogar unmöglich sein werden. Gewiss hat Levit als hoch subventionierter Act einen ganz anderen Stand, er ist als Pop-Star der klassischen Klaviermusik aber immer zugänglich und aufmerksam geblieben. Auf Levits Twitter-Account sind die Konzerte jederzeit nachzuhören, gleichzeitig sind Details über Werk und Komponist sowie Levits eigene Verfassung zu erfahren. Ein Geschenk.

Levit is quite unique.

Live Development

Dagie B hat in ihrer temporären Kunst-Quarantäne in Schonen (SWE) unlängst eine kleine Live-Session veranstaltet. Die etwas pixelige Live-Handyübertragung war lehrreich und amüsant, typisch quasi für das Pippilottaland. Ein Zuckerrübenkrautsud wurde mit Vitamin C gut gewürzt. Einen kleinen Einblick vom Kochkurs gibt es dort auf Vimeo:

Mercury 13

Was wäre wenn ein Sowjetmensch den ersten Fussabdruck im Mondstaub hinterlassen hätte — dieses Szenario  thematisiert «For all mankind», eine US-Serie, von der die ersten zehn Folgen seit Herbst 2019 als Stream verfügbar sind. Das Wettrennen zum Mond verlieren die USA darin gleich zweimal, da die Sowjetunion auch die erste Frau erfolgreich landen. Die Mischung von Fiktion und Geschichte erlaubt dem Drehbuch das tatsächlich privat initiierte Mercury 13-Programm als NASA-Projekt erscheinen zu lassen und blendet Frauen-Demos mit «A woman’s place is in space»-Plakaten als alternative Fakten ein. Bereits 1960 sollte durch Mercury 13 bewiesen werden, dass Frauen durchaus weltraumtauglich sind, doch erst 1978 änderte die NASA schliesslich die Zulassungsbedingungen und schoss 20 Jahre nach der ersten Kosmonautin ihrerseits eine Frau ins All. Mir war das reale Mercury 13 völlig unbekannt, Walentina Tereschkowa dafür ein Star in einer Reihe mit Laika, Yuri Gagarin und Neil Armstrong.

Die erfundene Story endet einstweilen auf dem Mond, wo Astronauten und Kosmonauten am Südpolkrater Shackleton konkurrierend einen Rohstoff abbauen, nämlich Wassereis. Der kalte Krieg wird selbst dort oben etwas sinnfrei weiter geführt, ist wohl so ein Ami-Ding, denn auch in Ad Astra sind militärische Auseinandersetzungen auf dem Erdtrabanten üblich. Musikalisch spannt sich der Bogen von den Sixties durch die Seventies bis in die Eighties, von Ruffins «What becomes of the broken hearted», Bowies «Moonage Daydream» zu «Everybody wants to rule the world» von Tears For Fears. Eine eigentümliche Phantasterei, welche ihre Dramatik aus Eventualitäten gewinnt, deren irdische Komponenten (SS-Mann von Braun wird noch zu Lebzeiten demaskiert, Präsident Nixon wird Watergate verziehen) Zeitzeugen gegenüber arg übersteuert daher kommen. Serieller Quatsch halt.

Nach dem Abspann dann ein Steve Jobs-artiges «one more thing», when eine Big Fucking Rocket majestätisch aus dem Meer gen Himmel steigt und ihre Triebwerke knapp über der Wasseroberfläche zündet. Die kontrollierte Rückführung der erste(n) Stufen hätte ich bitte gerne von SpaceX als Wasserballett oder Synchronschwimmen inszeniert.

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