Cool Runnings

28. September 2019

Runter kommt sie immer


Essenz

10. Juni 2019

Keine Strophen, keine Bridges. Nur Refrains.


Meet Shalva

17. Mai 2019

ESC am Schabbes in Israel — da kräuseln bereits im Vorfeld die Empörungswellen und Frontrunner (West-) Jerusalem wurde auf der Zielgeraden durch das hedonistische Tel Aviv ersetzt. Die Kirmes in Sachen weitgehend talentfreier Zurschaustellung hat heuer noch ein weiteres Opfer gefunden. Aus religiösen Gründen trat die Hausband eines israelischen Behindertenwerks nicht im nationalen Finale an, obwohl es bereits dort beste Siegchancen besass. Die Botschaft ist orthodox, selbst Sabbat-taugliche Mikrophone wurden erörtert, aber die ganze Chose vom Rabbinat letztlich nicht gut geheissen. Die federführende Eurovision bestand auf dem Sonnabend als Tag des Grand Final, fertig. Der Sieg beim ESC wäre nach den ganzen barttragenden Queers und der wiederkäuenden Regenbogenkfolklore einer sichtlich eingeschränkten Combo mit seichtem aber massentauglichem Liedgut nur schwer zu nehmen gewesen, Mitleidsbonus eingerechnet. Jetzt bleiben die australische Diva mit windverwehten überlangen Kleiderfetzen im Dementorenlook auf beweglicher Fiberglasstange, die verwirrend verwegenen Isländer und natürlich der Gewinner aus Aserbaidschan, falls der hüftsteife Kühlschrank mit dem von Roboterlasern holografierten Kunstherz in den gerade noch erträglichen drei Minuten etwas ansehnlicher performt. Allemagne moins de douze points en totale, CH wird locker das dreifache einsacken. Malus < Bonus. France sans chance, bleibt mein ewiger Favorit Srbija. Und hoffentlich sahnt nicht eines dieser unsäglich schmachtenden Duos oder Trios ab, doch beim ESC hat noch immer die momentane Geschmacksverwirrung gewonnen. ESC ist egal.

 

Why this Israeli band of disabled musicians said no to Eurovision


Kitschkrieg

19. April 2019

Für die christliche Bewegung sind Kreuzigung und Auferstehung die Hochzeit des Jahres, noch vor Weihnachten führt Ostern mit 3 zu 2 Feiertagen. Die Dialektik von Sühne und Hoffnung, die sich so vortrefflich ins Unterbewusstsein meisseln lässt und das tragische Drama, in welchem der Held wehrlos und verraten, aber aufrichtig dem Tod entgegen geht, fördern die Legende. Im Drehbuch klare Rollenverteilung: Kaiphas und Pontius P – Jude und Heide als miese Bösewichte, der Todesstrafe fordernde Mob bekommt den Schwarzen Peter. In wohl keiner neuzeitlichen Religion steht der Tod als Opfer so im Zentrum der Verehrung. Kultisch als Erlösung codiert ist er blosse metaphysischen Etappe. Dass einer für alle quasi reinigend stirbt, ist eine ziemlich komplexe und clever durchkombinierte Geschichte.

Kitsch as Kitsch can – fake Heiligenbild:

Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute.

Nun wurde seit jeher die tatsächliche Existenz des annoncierten Messiahs hinterfragt und die Zweifel am Dualismus von Tod und Auferstehung blieb systemisch den Säkularen und Andersgläubigen überlassen. Laut Talmud wird er nur «jener Mann» genannt, sei Sohn einer Hure und wurde als falscher Prophet und Verführer Israels angeklagt und gehängt. Im Koran wird ʿĪsā ibn Maryam als Prophet anerkannt, doch nicht dessen Tod am Kreuz. Wobei die islamische Fraktion der Ahmadiyya sogar behauptet, dass Jesus alias Yuz Asaf nach seiner Wanderung schliesslich in Kaschmir begraben und seine Wiederkunft spirituell in Gestalt ihres Religionsgründers erfolgt sei.

Eine neue Facette offeriert nun Historiker Johannes Fried, indem er wissenschaftlich herzuleiten versucht, dass der komatöse Jeschoa bei der Kreuzigung keineswegs gestorben, sondern mit Hilfe von Nicodemus, Myrrhe und Aloe (John 19) wieder genesen und anschliessend untergetaucht sei. Die bei Kreuzigungen oftmals zum Tode führende Erstickung sei dabei auf Golgatha aufgrund des Lanzenstichs eines römischen Soldaten unbeabsichtigt verhindert worden, da nun Wundflüssigkeit aus dem Thorax entweichen konnte und das Atemorgan wieder den notwendigen Platz erhielt. Die Auferstehung also erklärbar und höchstens ein medizinisches Wunder, Himmelfahrt dann schlicht die Flucht des Wanderpredigers. Frieds Indizienkette ist logisch schlüssig, lässt sich Neutestamentarisch halbwegs begründen, bleibt historisch jedoch unbelegt.

Legendenbildung als Geschäftsidee

Glaube und Wunschdenken gehen einträchtig durchs gelobte Land. Jerusalem-Syndrom nur Hilfsausdruck. Der Bibelkritik und Jesus-Forschung bleibt weiter genug Raum für abenteuerliche Spekulation und Interpretation und diese findet ihren Markt, da Thema und Deutung Nachfrage sowohl bedienen wie schaffen. Religiöse Spinner waren immer, und schon immer finden sie Zulauf. Apokalypse, baby.


After Extra Time

28. März 2019

Ficus religiosa

12. März 2019

1’m 50 h4ppy ‘c4u53 70d4y 1 f0und my fr13nd5
7h3y’r3 1n my h34d
1’m 50 u6ly, 7h47’5 0k4y, ‘c4u53 50 4r3 y0u
w3 br0k3 0ur m1rr0r5
5und4y m0rn1n’ 15 3v3ryd4y f0r 4ll 1 c4r3
4nd 1’m n07 5c4r3d
l16h7 my c4ndl35 1n 4 d4z3 ‘c4u53 1’v3 f0und 60d.


THE CHURCH 2.0

7. März 2019
One more time, we´re gonna celebrate.

Couleur3

2. März 2019


Welsches Gefährdungspotential gemäss App-Store


THE CHURCH 1.0

4. Februar 2019

Bondi, St. Jakob, Aurorium


Transhumanismus

15. November 2018

Zwischen einem und zweieinhalb Petabyte Datenspeicher sind nach Schätzungen neurowissenschaftlicher Informatiker rein rechnerisch nötig, um die 100 Mrd. Nervenzellen nebst den Zehntausend Kontaktstellen des menschlichen Gehirns digital abzubilden. Manche träumen schon von einer digitalen Unsterblichkeit, nicht in den Sozialen Medien, sondern auf real existierender Hardware. Die Voraussetzungen scheinen gut: nach dem Moor´schen Gesetz verdoppeln Computer ihre Rechenleistung etwa alle 18 Monate, die Wayback-Machine (Internet-Archiv) sortierte und speicherte von 2001 bis 2016 bereits alleine 15 Petabyte Daten. Speicherkapazität rulez.

Manche zeitgenössische Romanciers sind bei dieser Thematik zumindest ideell etwas weiter: in Hologrammatica entwirft Tom Hillenbrand eine gleichermassen kühne wie kühle Vision einer re-bootbaren Menschmaschine und damit serieller Unsterblichkeit. Vermengt werden sinister agierende Super-KI mit etwas Extraterrestik und einer Prise globaler Simulation zu einem ausufernden SciFi-Eintopf. Multitalent Dietmar Dath legt in seiner Fantasie Die Abschaffung der Arten noch einen drauf: Menschen sind von genetisch neuartig enstandenen hochintelligenten Wesen, welche von Geschlecht und Gattung völlig losgelöst sich selbst zu kopieren vermögen, längst verdrängt, werden jedoch aus zoologischem Interesse bzw. als Kuriosum weiterhin gehalten.

“Wir wollen dahin, dass eine Intelligenz alles verstehen und jede Aufgabe lösen kann. Nicht der Mensch denkt sich was Neues aus, sondern das System. Der KI-Forscher wird durch ein neuronales Netz ersetzt.”

(Bio-Informatiker Josef Hochreiter im Interview)

Ist Re-Materialisierung von geistiger und körperlicher Essenz generell möglich? Kryoniker hoffen darauf: Schockfrostung gefolgt von Lagerung bei minus 196 Grad sind ein gewagtes Investitionsrisiko, eine teure Wette auf die Zukunft. Wie die reine Hülle dann ganzheitlich beseelt werden soll, bleibt noch fraglich. Wahrscheinlich wissen wir mehr, falls die geplante Kopftransplantation ohne begleitende Lähmungserscheinungen tatsächlich gelänge, Rückenmark hier nur Hilfsausdruck.

Die medizinische Genetik macht derweil rasante Fortschritte, Stichwort Crispr/Cas (Gen-Schere). Gendefekte werden im molekular-biologischen Laborversuch modifiziert bzw. repariert; im Tierversuch heute bereits vorgeburtlich. Lifescience verspricht der künftige Wachstumsmarkt zu werden, Gen-Kopien könnten Transplantationen überflüssig machen. Körperliche Eingriffe finden mittels viraler Vektoren statt, wobei gentechnisch alles denkbar ist, was über die reine Reparatur hinausgeht. Die Kosten für eine solche Gen-Infusion liegen heute noch in dem Bereich von einigen Millionen — wird solch ein Human-EnhancementCocktail künftig nicht nur für Wenige bezahlbar und werden dann alle Nachfahren automatisch robust, schlau und schön? Kann ein makelloses Embryo mittels Genkatalog gebastelt werden? Die heikle Fragestellung lautet: soll es möglich sein, den Menschen abseits aller gewöhnlichen Schönheits-OPs per se via Erbgut möglichst perfekt zu tunen? Ethisch und moralisch ist für Hochspannung gesorgt, wenn die begehrte Hauptrolle Gott neu besetzt wird. Faust, Frankenstein, Godzilla & Co. lassen schön grüssen, auch ohne den derzeit allzu inflationär gebrauchten Begriff der Dystopie unnötig weiter zu befeuern. Mutation war und ist schliesslich immer…