Essenz

10. Juni 2019

Keine Strophen, keine Bridges. Nur Refrains.


Meet Shalva

17. Mai 2019

ESC am Schabbes in Israel — da kräuseln bereits im Vorfeld die Empörungswellen und Frontrunner (West-) Jerusalem wurde auf der Zielgeraden durch das hedonistische Tel Aviv ersetzt. Die Kirmes in Sachen weitgehend talentfreier Zurschaustellung hat heuer noch ein weiteres Opfer gefunden. Aus religiösen Gründen trat die Hausband eines israelischen Behindertenwerks nicht im nationalen Finale an, obwohl es bereits dort beste Siegchancen besass. Die Botschaft ist orthodox, selbst Sabbat-taugliche Mikrophone wurden erörtert, aber die ganze Chose vom Rabbinat letztlich nicht gut geheissen. Die federführende Eurovision bestand auf dem Sonnabend als Tag des Grand Final, fertig. Der Sieg beim ESC wäre nach den ganzen barttragenden Queers und der wiederkäuenden Regenbogenkfolklore einer sichtlich eingeschränkten Combo mit seichtem aber massentauglichem Liedgut nur schwer zu nehmen gewesen, Mitleidsbonus eingerechnet. Jetzt bleiben die australische Diva mit windverwehten überlangen Kleiderfetzen im Dementorenlook auf beweglicher Fiberglasstange, die verwirrend verwegenen Isländer und natürlich der Gewinner aus Aserbaidschan, falls der hüftsteife Kühlschrank mit dem von Roboterlasern holografierten Kunstherz in den gerade noch erträglichen drei Minuten etwas ansehnlicher performt. Allemagne moins de douze points en totale, CH wird locker das dreifache einsacken. Malus < Bonus. France sans chance, bleibt mein ewiger Favorit Srbija. Und hoffentlich sahnt nicht eines dieser unsäglich schmachtenden Duos oder Trios ab, doch beim ESC hat noch immer die momentane Geschmacksverwirrung gewonnen. ESC ist egal.

 

Why this Israeli band of disabled musicians said no to Eurovision


Kitschkrieg

19. April 2019

Für die christliche Bewegung sind Kreuzigung und Auferstehung die Hochzeit des Jahres, noch vor Weihnachten führt Ostern mit 3 zu 2 Feiertagen. Die Dialektik von Sühne und Hoffnung, die sich so vortrefflich ins Unterbewusstsein meisseln lässt und das tragische Drama, in welchem der Held wehrlos und verraten, aber aufrichtig dem Tod entgegen geht, fördern die Legende. Im Drehbuch klare Rollenverteilung: Kaiphas und Pontius P – Jude und Heide als miese Bösewichte, der Todesstrafe fordernde Mob bekommt den Schwarzen Peter. In wohl keiner neuzeitlichen Religion steht der Tod als Opfer so im Zentrum der Verehrung. Kultisch als Erlösung codiert ist er blosse metaphysischen Etappe. Dass einer für alle quasi reinigend stirbt, ist eine ziemlich komplexe und clever durchkombinierte Geschichte.

Kitsch as Kitsch can – fake Heiligenbild:

Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute.

Nun wurde seit jeher die tatsächliche Existenz des annoncierten Messiahs hinterfragt und die Zweifel am Dualismus von Tod und Auferstehung blieb systemisch den Säkularen und Andersgläubigen überlassen. Laut Talmud wird er nur «jener Mann» genannt, sei Sohn einer Hure und wurde als falscher Prophet und Verführer Israels angeklagt und gehängt. Im Koran wird ʿĪsā ibn Maryam als Prophet anerkannt, doch nicht dessen Tod am Kreuz. Wobei die islamische Fraktion der Ahmadiyya sogar behauptet, dass Jesus alias Yuz Asaf nach seiner Wanderung schliesslich in Kaschmir begraben und seine Wiederkunft spirituell in Gestalt ihres Religionsgründers erfolgt sei.

Eine neue Facette offeriert nun Historiker Johannes Fried, indem er wissenschaftlich herzuleiten versucht, dass der komatöse Jeschoa bei der Kreuzigung keineswegs gestorben, sondern mit Hilfe von Nicodemus, Myrrhe und Aloe (John 19) wieder genesen und anschliessend untergetaucht sei. Die bei Kreuzigungen oftmals zum Tode führende Erstickung sei dabei auf Golgatha aufgrund des Lanzenstichs eines römischen Soldaten unbeabsichtigt verhindert worden, da nun Wundflüssigkeit aus dem Thorax entweichen konnte und das Atemorgan wieder den notwendigen Platz erhielt. Die Auferstehung also erklärbar und höchstens ein medizinisches Wunder, Himmelfahrt dann schlicht die Flucht des Wanderpredigers. Frieds Indizienkette ist logisch schlüssig, lässt sich Neutestamentarisch halbwegs begründen, bleibt historisch jedoch unbelegt.

Legendenbildung als Geschäftsidee

Glaube und Wunschdenken gehen einträchtig durchs gelobte Land. Jerusalem-Syndrom nur Hilfsausdruck. Der Bibelkritik und Jesus-Forschung bleibt weiter genug Raum für abenteuerliche Spekulation und Interpretation und diese findet ihren Markt, da Thema und Deutung Nachfrage sowohl bedienen wie schaffen. Religiöse Spinner waren immer, und schon immer finden sie Zulauf. Apokalypse, baby.


After Extra Time

28. März 2019

Ficus religiosa

12. März 2019

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THE CHURCH 2.0

7. März 2019
One more time, we´re gonna celebrate.

Couleur3

2. März 2019


Welsches Gefährdungspotential gemäss App-Store


THE CHURCH 1.0

4. Februar 2019

Bondi, St. Jakob, Aurorium


Transhumanismus

15. November 2018

Zwischen einem und zweieinhalb Petabyte Datenspeicher sind nach Schätzungen neurowissenschaftlicher Informatiker rein rechnerisch nötig, um die 100 Mrd. Nervenzellen nebst den Zehntausend Kontaktstellen des menschlichen Gehirns digital abzubilden. Manche träumen schon von einer digitalen Unsterblichkeit, nicht in den Sozialen Medien, sondern auf real existierender Hardware. Die Voraussetzungen scheinen gut: nach dem Moor´schen Gesetz verdoppeln Computer ihre Rechenleistung etwa alle 18 Monate, die Wayback-Machine (Internet-Archiv) sortierte und speicherte von 2001 bis 2016 bereits alleine 15 Petabyte Daten. Speicherkapazität rulez.

Manche zeitgenössische Romanciers sind bei dieser Thematik zumindest ideell etwas weiter: in Hologrammatica entwirft Tom Hillenbrand eine gleichermassen kühne wie kühle Vision einer re-bootbaren Menschmaschine und damit serieller Unsterblichkeit. Vermengt werden sinister agierende Super-KI mit etwas Extraterrestik und einer Prise globaler Simulation zu einem ausufernden SciFi-Eintopf. Multitalent Dietmar Dath legt in seiner Fantasie Die Abschaffung der Arten noch einen drauf: Menschen sind von genetisch neuartig enstandenen hochintelligenten Wesen, welche von Geschlecht und Gattung völlig losgelöst sich selbst zu kopieren vermögen, längst verdrängt, werden jedoch aus zoologischem Interesse bzw. als Kuriosum weiterhin gehalten.

“Wir wollen dahin, dass eine Intelligenz alles verstehen und jede Aufgabe lösen kann. Nicht der Mensch denkt sich was Neues aus, sondern das System. Der KI-Forscher wird durch ein neuronales Netz ersetzt.”

(Bio-Informatiker Josef Hochreiter im Interview)

Ist Re-Materialisierung von geistiger und körperlicher Essenz generell möglich? Kryoniker hoffen darauf: Schockfrostung gefolgt von Lagerung bei minus 196 Grad sind ein gewagtes Investitionsrisiko, eine teure Wette auf die Zukunft. Wie die reine Hülle dann ganzheitlich beseelt werden soll, bleibt noch fraglich. Wahrscheinlich wissen wir mehr, falls die geplante Kopftransplantation ohne begleitende Lähmungserscheinungen tatsächlich gelänge, Rückenmark hier nur Hilfsausdruck.

Die medizinische Genetik macht derweil rasante Fortschritte, Stichwort Crispr/Cas (Gen-Schere). Gendefekte werden im molekular-biologischen Laborversuch modifiziert bzw. repariert; im Tierversuch heute bereits vorgeburtlich. Lifescience verspricht der künftige Wachstumsmarkt zu werden, Gen-Kopien könnten Transplantationen überflüssig machen. Körperliche Eingriffe finden mittels viraler Vektoren statt, wobei gentechnisch alles denkbar ist, was über die reine Reparatur hinausgeht. Die Kosten für eine solche Gen-Infusion liegen heute noch in dem Bereich von einigen Millionen — wird solch ein Human-EnhancementCocktail künftig nicht nur für Wenige bezahlbar und werden dann alle Nachfahren automatisch robust, schlau und schön? Kann ein makelloses Embryo mittels Genkatalog gebastelt werden? Die heikle Fragestellung lautet: soll es möglich sein, den Menschen abseits aller gewöhnlichen Schönheits-OPs per se via Erbgut möglichst perfekt zu tunen? Ethisch und moralisch ist für Hochspannung gesorgt, wenn die begehrte Hauptrolle Gott neu besetzt wird. Faust, Frankenstein, Godzilla & Co. lassen schön grüssen, auch ohne den derzeit allzu inflationär gebrauchten Begriff der Dystopie unnötig weiter zu befeuern. Mutation war und ist schliesslich immer…


Herzschlag

24. Juni 2018

Das Schwein Eisenherz lebt, hängt und arbeitet:


#MeToo

23. Januar 2018

Die Liebe höret nimmer auf, Liebe, Love, Make Love,

Die Coverversion war — stark abhängig von der aktuellen Tanzpartnerin, der hormonellen Grosswetterlage sowie der Dichte des Trockeneisnebels — des Öfteren der ersehnte Stehblues, damals in der Schülerdisco…


Praystation

1. Dezember 2017
Endlich: Kirche wird Kunst. Ab Mitte Dezember in Zürich.

The Chruch, Pruitt


Füdliblutt

14. Mai 2017

Popogate, ESC Flitzer, ESC 2017,

Der einsame Höhepunkt der diesjährigen ESC-Ausgabe bestand darin, dass ein berühmt-berüchtigter ukrainischer Flitzer unter falscher Flagge vor der Vorjahressiegerin blank zog. Dies bietet natürlich Raum für allerlei wilde Spekulation und mutige Interpretation, die nackte Wahrheit an sich war live vor dem Millionenpublikum metaphorisch jedenfalls ungemein eindrücklich und entsprach der Veranstaltung letztlich vollauf.


Bitte um Mithilfe

25. März 2017

Die Frisurenpolizei sucht dringend diese flüchtigen Brüder:

Frisurenpolizei, RTL, Ehrlich Brothers

Sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Gesuchten
führen, werden mit zwei Wochen Dauer-RTL belohnt.


Sound and Vision

11. Juli 2016

Elisaburg, Elisabethenstrasse, Elisaburg Zürich

Aus der berüchtigten Zürcher Eckkneipe Elisaburg wurde nach dem Blues zunächst eine im Resto-Underground geschwängerte Speiselotterie mit Swissness-Finish (Bündner Yak) und im Juli isses — Überraschung — temporäres Livestudio des engagierten Webradios gegendenstrom. Musik ist immer und meist zuviel, aber dieses Sommerspezial ist schon speziell und per Livecam kann man die hippen Zürcher Ausgänger amtlich in Echtzeit abhängen sehen. Programm hier, Live-Stream dort.

Elisaburg, On air, GDS, Webradio Zürich


Rule Britannia

24. Juni 2016

UK zero pints.


Reinmachen

22. Juni 2016

Footgolf, Footgolf Schweiz, Footgolf Trikot
Beim Footgolf wird der Ball nurmehr mit dem Fuss eingelocht.


Durchmarsch

28. Februar 2016

Nach der Durchsetzung ist vor der Asylverschärfung und bereits in Bälde wird die nächste SVP-Chimäre unter dem herzigen Deckmantel «Selbstbestimmungsinitiative» durchs Land getrieben — schliesslich bleibt die Eidgenossenschaft gemäss SVP weiterhin von ausländischen Vögten bedroht.

Durchfallinitiative, Schweiz Initiative 2016, Volksabstimmung 2016, DSI

Handgeklöppelter herrenloser Flyer, noch vor dem Volksentscheid über die Durchsetzung der Ausschaffung zugeflogen.

Nationales Recht soll (wieder) absoluten Vorrang geniessen, schliesslich ist das scheinbare Manko schweizerischer Souveränität das Per­pe­tu­um mo­bi­le aller SVP-Bestrebungen. Was sich letzten Endes als eine nur reaktionäre Haltung zur globalen Vernetzung erweist, wird als nationale Rettungstat gepriesen, obschon gerade die Finanziers der Nationalpatrioten von der Globalisierung gut profitieren. Steuerhinterziehung bleibt natürlich auch künftig straffrei, und so helfen Kapitalzuflüsse aus dem Ausland die hiesige Steuerlast zu mildern. Weltläufige Auftritte via UNO- und FIFA-Sitz werden in der ewige Swissness verheissenden währ­schaften Binnenbanalität sowieso ganz gerne goutiert.

Die Trutzburg der geistigen Landesverteidigung aber bleibt eine hartnäckige Geissel.


L’art est mort. Vive DADA!

5. Februar 2016

was ist dada, dada 2016, dada zürich, dada sachweiz

Kaum hundert schon tot.
Hundert kaum tot schon.
Schon hundert kaum tot.
Tot kaum hundert schon.


Zeitnot

14. Dezember 2015

Das Fortschrittsversprechen hält nicht mehr – der Widerspruch von Beschleunigung und Zeit entzweit den modernen Menschen. Technischer Fortschritt wird zwar gerne als Zeitgewinn beworben und doch lässt sich die Zeit nicht sparen oder vermehren, sondern bloss verdichten. Mehr tun in weniger Zeit lautet die Devise. Der Zeitdruck in Beruf und Freizeit nimmt dramatisch zu: beispielsweise spart Email zunächst vermeintlich Zeit, was aber in der Folge schon rein mengenmässig ins Absurde gekehrt wird; technische Apparaturen dienen nicht nur der Beschleunigung von Arbeitsabläufen sondern auch deren Vervielfältigung. In der Freizeit gilt das Primat der Selbstoptimierung und sogar Entschleunigung wird so zum Stress. Jedwede gesellschaftliche Resonanz tritt folglich mehr und mehr in den Hintergrund.

Once I had a love and it was a gas
Soon turned out to be a pain in the ass
Seemed like the real thing, only to find
Mucho mistrust, love’s gone behind

© Debbie Harry/Chris Stein

Die Verheissung namens Fortschritt wird zum Zwang: falls man sich nicht optimiert, effizient aufstellt, eine Strukturanpassung durchführt, ist man der Konkurrenzsituation nicht gewachsen. In einer wettbewerbsbasierten Gesellschaft herrscht notorische Unruhe, so dass Angst ein Hauptantriebsfaktor ist, der einen auf die Akkumulationsschiene treibt.

Für Soziologe Hartmut Rosa ist das kapitalistische Wirtschaftssystem ursächlich für die dramatische Beschleunigung seit dem 18. Jahrhundert. War dessen Versprechen vor allem Bedürfnisbefriedung und ein besseres Leben, was noch für jede Elterngeneration bezüglich der Zukunft ihrer Nachkommen gesellschaftlicher Konsens war, so zeigt sich heute, dass durch steigendes Wachstum selbstzerstörerische Kräfte freigesetzt werden. Nicht nur in der Umwelt entstehen irreparable Schäden, sondern auch im Menschen, wenn er zunehmenden Zeitdruck nicht mehr standhält.

«Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in großem Maße zu verstärken.»

(F. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches – Chemnitz 1878)

Burning Candle, Kerze brennt an zwei Dochten, Double Burning Candle

Die Turbogesellschaft leidet unter Zeitdruck, die Zeit geht scheinbar aus, weil durch technische Beschleunigung mehr Welt möglich erscheint, jeder Arbeits- und Urlaubsplatz dank Auto, Bahn oder Flugzeug jederzeit erreichbar ist. Zugleich wird Zeit zum knappen Gut und die herrschende Grundorientierung immer absurder: noch mehr tun, noch effektiver mit der Zeit haushalten und dennoch geht man am Ende des Tages immer öfter als schuldbewusstes Subjekt zu Bett, da meist Aufgaben und Dinge bleiben, die man nicht erledigt hat, abgesehen von der permanent wild wuchernden alltäglichen To-do-Liste. Erhaltung durch Akkumulation und Steigerung ist das grosse Paradoxum im Kapitalismus, bereits Stillstand bedeutet ökonomischen Abstieg im gesellschaftlichen wie persönlichem Rahmen.

Atomzeit

Gemäss Hartmut Rosa war Wissen für die allermeisten Kulturen wie ein wohl behüteter Schatz: von der Nahrungssuche über kultische Handlungen bis zur Vorratshaltung wurde dieser Schatz einst umsichtig tradiert. In der Moderne wird aus dem Wissenschatz die Wissenschaft, eine Dynamisierung, welche es nicht darauf anlegt Wissen zu transportieren, sondern viel mehr Fragen stellt als beantwortet. Dies ist ein völlig neues Konzept von Wissen, Forschung wird wichtiger als Lehre, das Weitergeben von Wissen. Die Wissen*schaft* lebt davon, dass sie fortlaufend neue Fragen stellt, neue Ergebnisse und Erkenntnisse erzielt, Grenzen des Gewussten systematisch ausweitet. Rosa zufolge war für den beginnenden Beschleunigungsprozess jene Änderung der institutionellen Grundstruktur massgeblich, nämlich dass nur durch Steigerung die gesellschaftliche Formation erhalten werden könne.

Die einstige Hoffnung, die Grundangst ökonomischer Knappheit durch das kapitalistische Wirtschaftssystem aufzulösen ist heutzutage einer neuen Existenzangst gewichen, der mittlerweile globalisierte Existenzkampf verursacht hierbei noch mehr zeitlichen Druck. Dieser aber wirkt nicht nur von aussen, sondern fordert nach der Optimierungslogik auch andauernd das Beste aus sich selbst heraus zu holen. Entfremdung, der Zwang nach mehr Weltverfügung steigt durch technischen Fortschritt: Aneignung, Optimierung und Ansammlung sind Anforderungen und Stressfaktoren zugleich. Jene Beschleunigung kann bewirken, dass die Welt unnahbar fremd und leer, fast schon als totes Material erscheint, es fehlt der Zugang und winkt der Burnout.

Weltzeit

Die moderne Angst, quasi den Faden zur Welt zu verlieren, obwohl man sie zu kennen und zu beherrschen meint, hält Esoterikboom und Fundamentalismus den Steigbügel; diese sind bei jeder Ungewissheit sofort zur Stelle: ohnehin findet emotional aufgeladene und überladene Symbolik gerade dort ihr Zielpublikum und bietet allerlei Versprechungen.

Jedwedes Resonanzverhältnis aber ist ähnlich der Kommunikation aufgebaut: ein Buch quer zu lesen spart Zeit, doch fehlt dabei die Anverwandlung. Damit das Buch mich tatsächlich erreicht, berührt, etwas in mir bewirkt, muss ich mir Zeit nehmen, zulassen, dass überhaupt eine Resonanzbeziehung entstehen kann. Dasselbe gilt für die Rezeption von Musik, das Geniessen der Natur, die zwischenmenschlichen Beziehungen überhaupt — der Faktor Zeit bleibt allgegenwärtig und in der Tat bestimmend.