Bankrun

29. Juni 2015

Falls in der Schweiz ein Run auf die Franken-Automaten anstünde, wäre er wahrscheinlich eher gesittet, wie das hilfsbereite Post-it eines Bankomaten-Kunden erahnen lässt. Ausserdem beruhigend: das Land besitzt sowieso mehr als genug Geldreserven.

Bankomat, Geldautomat leer, Schweizer Höflichkeit, Sozialkompetenz

Zudem wird der Eidgenosse ständig daran erinnert Vorräte anzulegen «Kluger Rat — Notvorrat», wobei der Armeechef natürlich mit gutem Beispiel stets vorweg marschiert. Gut, der letzte Sonnensturm ging nochmal glimpflich ab, aber steht nicht der Russe Flüchtling Grieche bereits draussen vor der Türe?

unfuck greece, greece 2015, EU, Euro 2015


Obrigado

10. Februar 2015

Sozialneid im real existierenden Kapitalismus Ronaldo Statue, Dicke Hose Ronaldo, Ronaldo Football, Ronaldo Denkmalist ähnlich konstruktiv wie Tanzen über Architektur.

Aber dennoch interessant: gemäss dem wunderbar leicht zu bedienenden BBC-Kalkulator müsste ich als Lohnsklave bei identischem Einkommen bereits seit 800 Jahren arbeiten, um in Summe das Jahressalär von Senhor Cristiano R. zu erzielen.
Umgekehrt braucht die fussballernde Hosenbeule für meinen Jahresverdienst nicht einmal eine volle Viertelstunde Training einzuplanen.

Auf der BBC-Seite lassen sich solche Absurditäten anhand weiterer kurzbehoster Besserverdiener drastisch schön darstellen.

Ohne das schmerzliche Thema Brot & Spiele am dieser Stelle tiefschürfender zu behandeln, lieber noch einen fotografischen Hinweis auf antike Sportbekleidung, als man mit den kurzen dicken Hosen sowieso noch dem klassischen Calcio frönte.

Calcio Storico, Real Football,


Scheiss Millionäre

13. März 2014

Präsidiert der Knacki dann als Pate den FCB?


Kleinbank

5. September 2013

Neulich in der Bankenstadt:

Holzbank Zürich, Toeff Bank, Bankenstadt Zürich


Ackermannzeitalter

29. August 2013

User mainstreet philosophiert zwar ohne Komma und anderen Schnickschnack, aber bei vollem Bewusstsein über die Folgen kapitalistischer Ausbeutungsmechanismen und empfiehlt Entscheidern zu­vör­derst ein gut bewährtes Ausstiegsszenario:

Josef Ackermann, Ackermann Victory, Ackermann Rücktritt,Ackermann Zürich

Viele Menschen sagen das das Leben das einzige ist was wir haben und das man versuchen muss mit dem wenigen was wir sind und haben etwas anzufangen und es ist bedauerlich wenn sich Personen die finanziell gut gestellt sind keinen Sinn mehr im Leben sehen was auch sicherlich außerhalb des Arbeitslebens und des Arbeitsplatzes begründet sein kann weil man immer nur sieht das andere auch arbeiten und Geldverdienen und es die Hippies der Sechziger nicht mehr gibt die es immer ohne Arbeit oder mit wenig um die halbe Welt schafften und einfach zufrieden waren mit etwas Haschisch aus dem Gewächs des Hanfes. Nach einem erfolgreichen Arbeitsleben wenn man finanziell gut gestellt wäre könnte oder konnte man das dann immer noch in Erwägung ziehen. Aber die Zeiten haben sich geändert auch durch die Wirtschaft und Computer und eines erbitterten Konkurrenzkampfes wo jeder die Kosten minimiert . Gerade weil es heute Arbeit im Überfluss nicht mehr gibt wie in den sechzigern gibt es auch keine Bewegung mehr wie die Hippies die Arbeit schlicht und einfach ganz mies finden auch wenn es einen anderen Ausdruck dafür gibt.-
Aber jeder sollte daran glauben das die Hippies wiederkommen damit das Leben wieder Flower und Power wird und sich das Leben lohnt.

Eine Zeit ohne Perspektive zu Arbeit und Gewinn ist eine verlorene Zeit und natürlich kommt es auf das Verhältniss an. Selbsmorde in dieser Kategorie von Menschen deuten immer in diese Richtung und es ist traurig so etwas zu erleben auch für Herrn Ackermann und das muß man eben einfach verstehen und Aussteigen wie Herr Ackermann ist ein Weg den auch die Hippies immer bestritten und zum Glück führen kann.


Zugzwang

27. April 2013

Schach ist Sport ist Spiel ist Geschäft. Nach den russischen Diamanten in Zürich und dem aserbaidschanischen Erdöl in London sponsert als nächstes ein hoch diversifizier Russischer Allrounder das Spiel mit den Königen.

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Auf den 64 Schachfeldern messen sich im Kanton Zug gleich elf der Top-20 Grossmeister auf Kosten eines Herrn Vekselberg, einem gelernten russischen Oligarchen mit Wohnsitz im, ja klar — steuerbegünstigten Zug. In der aktuellen Forbes-Liste nimmt der geschäftige Dr. Victor mit schlappen 12 Milliarden Dollar den den, na? — 64. Rang ein. So kommt eines zum anderen: die Schachspieler versteuern günstig ihr Preisgeld und mit dem Zug von Zürich nach Cham geht es hin und zurück in exakt 64 Minuten.


Dr. med. Abzock

15. Februar 2013

Der Abzocker vom Novartis beichtet dem staunenden Publikum rechtzeitig zum Ende der Abstimmungskampagne seine 72 Mio-Abfindung:

Abzocker, Vasella, Abzocker Initiative, Minder-Initiative

Schon ulkig, dass eben jener Manager, an dessen über die Jahre erhaltenen exorbitanten Boni-Zahlungen sich erst die ganze Abzocker-Debatte in der Schweiz entzündet hatte, nun kurz vor Abstimmungs-Schluss das mutmasslich entscheidende Eigentor schiesst.


Zeitschinder

8. Februar 2013

Die Credit Suisse gab bei ihrer Bilanzpressekonferenz bekannt, die diesjährigen Bonus-Zahlungen bis kurz vor Ostern versteckt zu halten:

Abzocker, Credit Suisse Boni, Bilanz Credit Suisse 2013, Bonus Zahlungen

Da freut sich die wirtschaftsliberale Denkfabrik Eco­no­mie­suisse, die so weiterhin recht ungestört mit Shock & Awe-Szenarien ängstigen darf.


Bankgeheimnis

7. Dezember 2012

Na also.

chlaeuse_bank

Geht doch.


Gegensteuer

3. April 2012

Eine kleine feine Schweizer Privatbank übernahm nur allzu bereitwillig ab 2008 das aufgrund einer in den USA erhobenen Anklage gegen die UBS brachliegende US-Privatkundengeschäft. Und dies — notabene — ohne selbst eine Niederlassung in den USA zu betreiben, was bei einer Strafverfolgung nicht ganz unnützlich sein kann. Als die Amis dies mitkriegten und Ermittlungen gegen die Bank anstrengten, drohten sie alsbald mit harten Handelssanktionen, einer Art Sippenhaft bis hin zum Auschluss Schweizer Banken vom wichtigen US-Handelsplatz.

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In der Folge wurde die älteste (!) Schweizer Privatbank eilig abgewickelt: das prekäre US-Geschäft wurde schleunigst in eine Bad Bank überführt und der gute Rest unter Zuhilfenahme einer Neugründung einfach an die hiesige Raiffeisenbank abgetreten.

Im Zuge der Affäre trat dann im Frühjahr 2012 der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Neuen Zürcher Zeitung zurück; war er doch in Personalunion zugleich geschäftsführender Miteigentümer («Wer Steuern zahlt, ist dumm.») der vordem kleinen feinen Privatbank…

*     *     *

Die NZZ jedoch bildet weiterhin die publizistische Speerspitze des Paradeplatzes und bietet als dessen unbeugsames Kampfblatt ihrem Redaktor Beat Gygi die Plattform für einen mehr als polemischen Kommentar zum anhaltenden Steuerstreit mit dem Grossen Kanton:

Dass eine einigermassen liberale Regelung für den Umgang mit «altem» deutschem Vermögen in der Schweiz derart schwierig ist, hängt stark damit zusammen, dass in Deutschland eine andere Art von Demokratie und ein anderes Verständnis vom Staat dominieren als in der Schweiz. Das ursprüngliche Steuerabkommen wurde primär mit Vertretern einer Regierung ausgehandelt, die die politische Mitte und angrenzende linke Segmente vertritt. Mit diesen Politikern war ein Kompromissvorschlag möglich, der der Privatsphäre der Bürger und ihrem Schutz vor allzu dreistem staatlichem Zugriff einigermassen Rechnung trägt.

Einigermassen liberal, aha — neo-liberal wäre gewiss genehmer. Dreist? Naja. Die Steuergesetzgebung der beiden Streithähne ist schon allein darum verschieden, weil die Staatsaufgaben anders verstanden werden. Dort Sozialstaat mit Ganztagsbetreuung, hier Eigenverantwortung und traditionelles Familienbild. Mit wechselnden Regierungen ändern sich zudem die politischen Zielvorgaben viel geschwinder, ganz im Gegensatz zur Allparteien-Regierung der Eidgenosschenschaft, wo unentwegt gemauschelt wird.

Der deutsche Scheinföderalismus, der den 16 Bundesländern keine echte Steuer- und Ausgabenverantwortung zugesteht, sondern eher als Lizenz zum Mitmischen im oberflächlichen Umverteilungskampf zu sehen ist, führt aber dazu, dass die Länderkammer, der Bundesrat, plötzlich eine zentrale Rolle spielt. Die Linke, die die Mehrheit in dieser Kammer hat, nutzt die Gelegenheit nun offenbar, sich durch ein Nein zum Steuerabkommen für den Wahlkampf ideologisch zu profilieren. Aus deutscher Sicht kann dies teuer werden, das sozialistische Nein kann bedeuten, dass Deutschland erhoffte 10 Mrd. € plus «Jahresraten» nicht zukommen.

Scheinförderalismus? Oha, die Bundesrepublik ist aber nun mal förderal strukturiert. Nicht ganz so kantönlikleingeistig comme ici, aber immerhin, es gibt auch drüben zwei Kammern und das ist durchaus gewollt. Einen absurden Steuerwettbewerb mit der hierzulande üblichen Krassheit, welche die Zersiedlung der Landschaft und die Entstehung von Millionärs-Ghettos befördert, gibt es dort trotz bestehenden Nord-Süd-Gefälles tatsächlich nicht. Und die SPD ist jetzt plötzlich sozialistisch? Potzblitz, da tönt ja jemand mächtig säuerlich, vielleicht weil der Ablassbrief nicht wunschgemäss ausgestellt wird?

Dabei springt ins Auge, dass ein rational kaum fassbarer Kampfbegriff wie «Gerechtigkeitslücke» als Hauptargument zur Ablehnung dienen kann. Gerechtigkeit scheint aus dieser Sicht eine Staatsaufgabe zu sein, und offenbar soll diese in Form von Gleichmacherei ziemlich totalitär durchgesetzt werden.

Kampfbegriff? Gut, in Zeiten der Globalisierung herrscht Wirtschaftskrieg an allen Fronten. Die Wortschöpfung Gerechtigkeitslücke aber ist doch metaphorisch gut gelungen und sehr eindrücklich. Mag die schwer rationale Schweizer Zunge kein Wort schöpfen? Gerechtigkeitslücke strikes!

Und überhaupt: Gerechtigkeit ist keine Staatsaufgabe? Gottgegeben vielleicht? Oder wird sie von Banken kreditiert?  Womöglich als reine Selbstgerechtigkeit à-les-riche? Soziale Gerechtigkeit scheint hier ein Fremdwort zu sein. Totalitäre Gleichmacherei? Oh my god, the commies are coming! Wenn in einem Land fiskalische Gesetze für alle Staatsbürger gelten sollen, so kann man keine Ausnahmeregelung gestatten, nur weil besonders Gierige ihr Scherflein mit Hilfe von sich dem Verdacht der Beihilfe aussetzenden halbseidenen Vermögensberatern sanft in Steueroasen betten und die Oase selbst im Grunde als Raubritterburg fungiert und profitiert. Krawallerie!

Die schillernde Rolle der offiziellen Schweiz hat solche Taktiken allerdings begünstigt. Der Bundesrat, etwa Eveline Widmer-Schlumpf, hat in jüngerer Zeit den USA und europäischen Verhandlungspartnern praktisch signalisiert, die Schweiz habe eine etwas flexible Linie und werde immer ein Schrittchen nachgeben, wenn der Druck wachse.

Mönsch Beat. Schlumpfs Vorgänger und Bankenlobbyist wurde bereits vor über vier Jahren aus der Regierung gewählt; er hat eine Haussuchung just hinter und ein Strafverfahren noch vor sich, doch auf seine Nachfolgerin wird wegen der von ihr aufgegleisten Weissgeldstrategie und aus schierer Rachsucht noch immer feste eingeprügelt. Derweil die USA die finanzpolitischen Daumenschrauben bis hin zur Schmerzgrenze anzogen, verhandelt der Grosse Kanton immerhin tapfer weiter.
Die NZZ dagegen gibt sich gemeinsam mit der SVP als radikal fundamentalistischer Hort, wo «…die Werte der freien, unabhängigen, neutralen Schweiz, die sich nicht schämt, gegenüber dem Ausland stets den Fünfer und das Weggli zu verlangen» bedingungslos verteidigt werden.

Warum nur löst sich die Eidgenossenschaft nicht endlich aus den Händen der helvetischen Banken-Maffia, die ihr Ansehen zusehends ramponiert? Der Banken-Lobby ist es über die Jahre hinweg gelungen, das Land quasi zur Geisel zu nehmen und das Bankgeschäft gleichwohl als ein dem Gemeinwesen dienendes und daher absolut schützenswertes nationales Symbol darzustellen.

Und dabei entrichten die einheimischen Banken teilweise nicht einmal Steuern! Fürwahr parasitäre paradiesische Zustände.


Frischgeld

14. März 2012

Bekanntlich verwandelt das Schweizer Bankenwesen nur unter grossem Aussendruck Schwarzgeld in Weissgeld. Zur Belohnung gönnt man sich dafür in Bälde Frischgeld. Etwas eigenartig ist hierbei, dass der bei einem Ideenwettbewerb eigentlich zweitprämierte Entwurf überraschend die vorläufige Druckfreigabe erhielt.

Dabei reichte der ursprüngliche Sieger des Wettbewerbs knackig poppige Notenblätter ein. In Zeiten von Plastikgeld und Cybercash trüge man solch angehübschte Fetische doch ganz gerne als papierne Preziosen im Portemonnaie, n´est-ce pas?

Auszug aus Karl Walker, Das Geld in der Geschichte, Rudolf Zitzmann Verlag; Lauf bei Nürnberg; 1959:

«Als der Sonnenkönig Ludwig XIV. 1715 starb, waren in Frankreich allein die jährlichen Zinsen für die Staatsschuld schon größer als die laufenden Staats-Einnahmen. Der Regent Herzog Philipp von Orleans, der den unmündigen Knaben Ludwig XV. vertrat, fand keinen Rat mehr. In dieser Zeit hatte John Law einigen europäischen Höfen phantastisch anmutende Finanzierungsprojekte unterbreitet, war zuerst abgewiesen, dann aber in Frankreich doch herangezogen worden. John Law, ein Mann von schottischer Herkunft, im Bankwesen bewandert und weit gereist, bekam die Erlaubnis zur Errichtung einer privaten Kreditbank, die bald schon zu einer Staatsbank umgewandelt wurde. Diese Bank gab Zettel aus, von denen Law zunächst nicht mit Unrecht sagte, dass sie genau so gut wie Metallgeld für Zahlungszwecke benutzt werden könnten. Nach seiner Theorie sollten diese Zettel durch den Grund und Boden gedeckt sein, womit der eigentliche und bleibende Wert des Landes beweglich gemacht und in Umlauf gebracht würde. Das Papiergeld sei sogar wertbeständiger als das Silber, “denn die Länder bringen herfür, aber das Silber ist schon hervorgebracht”, und die Landgüter können keine von ihren Nutzungen verlieren, aber das Geld kann sein Gepräge verlieren”. In der praktischen Handhabung richtete man sich jedoch nicht nach diesen Grundsätzen. John Law beugte sich sofort dem Finanzbedürfnis des Staates und räumte ihm ein, dass er auf Grund seines eigenen Kredites – also ohne Grund- und Boden-Deckung – solches Papiergeld ausgeben könne. Bereits im Jahre 1718 wurden seine Zettel Staatspapiergeld. Da in Frankreich um diese Zeit dank der Verschwendung des Hofes Geldmangel herrschte, brachte das Papiergeld wirklich eine Erleichterung. Handel und Gewerbe blühten wieder auf und der Zinsfuß sank.

Inzwischen hatte John Law außerdem eine weitere Gründung vollzogen, die “Mississippi-Compagnie”, eine Handelsgesellschaft auf Aktien, die die Kolonisierung Kanadas und der Länder am Mississippi bezweckte. Diese beiden Operationen zusammen brachten einen ungeheuren spekulativen Aufschwung. Die Staatsbank gab Geld aus, Gewerbe und Manufakturen blühten auf, zahlloses Volk aus aller Welt strömte nach Frankreich und nach den französischen Kolonien. Bis zum Mai 1720 wurden nach einem eigenen Bericht von John Law “500 ganz große Schiffe erbaut oder gekauft, nicht zu sprechen von den Brigantinen und Fregatten, um den Strom von Auswanderern nach dem an Metallen, Seide und Spezereien reichen Louisiana zu bringen.” – Aber die Notenpresse der Staatsbank war nicht mehr aufzuhalten. Der Herzog von Orleans soll mehr Geld haben drucken lassen als John Law überhaupt wusste. Schließlich waren es 3,7 Milliarden Livres. Und so, wie das Geld vermehrt wurde, stiegen die Preise – sie stiegen so rasch, dass die Produktion bei aller Emsigkeit nicht mehr nachkommen konnte. Die Mississippi-Aktien stiegen mit und waren in wenigen Jahren von 500 auf 18 000 Livres geklettert! – Dann aber kam es beim Rückfluss der Noten zur Ernüchterung. Die Bank konnte die Zettel nicht einlösen, die gewaltige Papiergeld-Masse aber auch nicht im Umlauf lassen. Jetzt war guter Rat teuer. John Law wurde vom Regenten mit größerer Vollmacht ausgestattet, zum Generalkontrolleur der Finanzen ernannt und versuchte nun von dieser Basis aus, sein System mit Willkürmaßnahmen zu retten. Der Wert von Gold und Silber wird plötzlich nach dem Bedürfnis der Bank verändert; man befiehlt die Ablieferung von Edelmetallen, der Besitz von Kleinodien wird unter Strafe gestellt, die Herstellung von Tafelsilber wird untersagt, ja, sogar der Besitz von Bargeld, soweit er über 500 Livres hinausginge, sollte nicht mehr erlaubt sein. Da das aber alles nichts half, wagte Law schließlich die einzig vernünftige Maßnahme, den Wert seiner Bank-Zettel auf die Hälfte herabzusetzen. Der Erfolg war jedoch – in der damaligen Zeit war man so etwas noch nicht gewohnt -, dass ganz Frankreich in schäumenden Aufruhr geriet; das Gesetz musste sofort zurückgenommen werden. John Law konnte sich durch heimliche Flucht retten.» (weiterlesen)


Artenschutz

9. Dezember 2011

Grossbanken müssen ihren Zinshunger laufend befriedigen und wachsen tendenziell unersättlich weiter. Eine kritische Masse ist erreicht, wenn deren Wertschöpfung buchhalterisch diejenige ihres Heimatlandes übersteigt und ein möglicher Kollaps der Bank den Staatshaushalt zu gefährden droht. Der Staat sieht sich in der Folge quasi genötigt, einen Bestandsschutz zu garantieren. Kapitalistische Selbstregulierung.

Die Championsleague der systemrelevanten Grossbanken firmiert nach einer G20-Absprache neuerdings als G-SIFIs (Global Systemically Important Financial Institutions). Die Politik setzt brav die Vorgaben der Finanzwirtschaft um — für das Spielresultat haftet die Gesellschaft. Der quantitative Umschlag hat bei den Zockerbuden absurde Qualität erzeugt. Brecht hat Recht.

Die bestehende Artenschutzliste umfasst 29 Spielstätten und allesamt befinden sich auf der Nordhalbkugel:

Bank of America* (USA)
Bank of China (China)
Bank of New York Mellon* (USA)
Banque Populaire (Frankreich)
Barclays* (Großbritannien)
BNP Paribas (Frankreich)
Citigroup* (USA)
Commerzbank (Deutschland)
Crédit Agricole (Frankreich)
Credit Suisse (Schweiz)
Deutsche Bank (Deutschland)
Dexia* (Belgien)
Goldman Sachs* (USA)
HSBC* (Großbritannien)
ING (Niederlande)
JP Morgan Chase* (USA)
Lloyds Banking Group* (Großbritannien)
Mitsubishi UFJ (Japan)
Mizuho (Japan)
Morgan Stanley* (USA)
Nordea (Schweden)
Royal Bank of Scotland* (Großbritannien)
Santander (Spanien)
Société Générale (Frankreich)
State Street (USA)
Sumitomo Mitsui (Japan)
UBS* (Schweiz)
Unicredit (Italien)
Wells Fargo* (USA)

Der Tabellenvorletzte schwächelt bereits bedrohlich und braucht 7.500.000.000 € Soforthilfe, bleibt dank der Artenschutzliste aber unabsteigbar.
Und wo schaffte eigentlich der neue UBS-CEO zuvor an?

Richtig.

[youtube=http://youtu.be/J3HuseRdix4&rel=0]


Weissgeldstrategie

5. November 2011

Auf CH-Banken geparktes Schwarzgeld rein zu waschen, dauert schon etwas. Einigen teutonischen Anlegern zu lange, und so versuchen sie ihr eingeschafftes Vermögen wieder auszuschaffen, bevor es Zwanzig 13 schlägt oder herber Griechischer Wein den Kurs weiter verwässert.

Die Schweizer Bankster zahlen aber mittlerweile nur noch bescheidene Bar-Beträge aus, weil sie fürchten, den mit dem Grossen Kanton ausgemauschelten Ablasshandel aus der eigenen Schatulle alimentieren zu müssen.

Guy Fawkes Maske zum Ausschneiden

Leutselig getraut sich der nach der milliardenteuren Londoner Zocker-Nullnummer vorerst interimistisch eingesetzte UBS-Chef Ermotti halbwegs Eier zu zeigen, anstatt wie gewohnt weiter herumzueiern:

«Die Schweiz ist reich geworden durch Schwarzgeld. Wenn wir überall einen Schwarzen Peter verteilen würden, wo unversteuertes Geld drin ist, wäre die ganze Bahnhofstrasse voll von Schwarzen Petern.»

Von einem der ihren blossgestellt zu werden, ist fast schon ketzerisch und getroffen jault das hiesige Finanzestablishment auf. Alle Hoffnung gilt nun der baldigen Ankunft des Messias am Paradeplatz. Insiderwissen wird der schiffsflüchtige Ex-Oberbankster von der Deutschen Bundesgang für die 2 Mio. Handgeld (plus Salär, plus Aktienpaket, plus Bonus) schon genügend mitbringen, um den Strategiewechsel profitabel zu deichseln.

Aus Schwarz wird Weiss, Hauptsache die Kohle bleibt hier.


Weltspartag

31. Oktober 2011


Gutbürger

18. Oktober 2011

Bei der symbolischen Okkupation des Paradeplatzes waren von den Neunundneunzigprozentigen zeitweilig immerhin 1000 selbst entfremdete Warencharaktere in der Schweizer Metropole beteiligt.

Der Paradeplatz ist für Zürich das, was Wall Street für New York City ist: ein lokales Sinnbild für die globale Hochfinanz. Übers Wochenende liess man generös das bunte Treiben gewähren, selbst die Tramlinien wurden am Nahverkehrsknotenpunkt effizient umgeleitet. Rechtzeitig zum Schichtbeginn der Bankster am Montagmorgen aber wurde von der staatlichen Exekutive der Abzug der unzufriedenen aber friedlichen Besetzer durchgesetzt.

Der aktuell aufkeimende internationale Protest einer zunehmend von Verarmung bedrohten Mittelklasse wird verständlicherweise hauptsächlich vom politisch und finanziell frustrierten Bürgertum sowie dessen Ablegern getragen und kommuniziert. Falls nun zusätzlich auch noch das gemeine Proletariat aus der Unterschichtenfernsehdämmerung heraus ins Dasein bestimmende Bewusstsein finden sollte, könnte eventuell die Revolution tatsächlich live übertragen werden…

Hier in der Schweiz finden kommenden Sonntag ganz in Ruhe und völlig systemkonform die eidgenössischen Parlamentswahlen statt:

Piraten und Powerpointgegner — vereinigt Euch!


Rude Boys

30. April 2011

Die Rudies vom Paradeplatz haben ein schickes Vereinslokal.


Bimbes rulez

13. April 2011

Einen lakonischen Blickwinkel auf Haupt- und Nebeneingang gewährt die Niederlassung der Privatbank Julius Bär unweit der Zürcher Börse:

Das Bankhaus Bär ist im Sektor Private Banking mit Einlagen von einer Viertelbillion Franken ein Big Player und auf die Vermögensverwaltung wohlhabender Kunden spezialisiert. Beidseitige Profitgier führt ausser in die Schweiz gern in die regulierungsfernen Offshore-Finanzplätze, wo besonders gut Köder gelegt und gewieft Fährten verwischt werden können. Die real existierende Steuerfreiheit auf den Kaimaninseln, wo doppelt soviel Firmen wie Einwohner registriert sind, macht die karibische Inselgruppe zum immerhin fünftgrössten Finanzplatz der Welt.

In der mit Trust-Geschäften betrauten Bär-Niederlassung auf den Kaimaninseln wurde 2002 ein Datenleck vermutet. Dem von der Bank für solche Situationen vorgesehenen Lügendetektor-Test verweigerte sich einer der Mitarbeiter und wurde kurzerhand entlassen. Nachdem in der Folge Bär-Bankdaten öffentlich gemacht wurden, erzwang Julius Bär 2008 die kurzzeitige Stilllegung der Server von Wikileaks per Gerichtsurteil in den USA. Erst als die Bank den negativen Streisand-Effekt ausgiebig kennenlernte, zog sie die Klage gegen Wikileaks wieder zurück.

Der Konflikt zwischen Bank und geschasstem Ex-Manager eskalierte weiter und führte anfangs Jahr zu dessen Verurteilung auf Bewährung in der Schweiz.

Der zunehmend an Michael Kohlhaas angelegt scheinende Desperado übergab just zwei Tage vor jenem Gerichtstermin öffentlichkeitswirksam eine CD mit weitere Bankdaten an Wikileaks. Derlei Datenklau gilt hierzulande als schwere Straftat einer nachrichtendienstlichen Wirtschaftsspionage und führt unter Umständen zum sofortigen Ausstieg eines Beschuldigten.

Dem Gericht vorliegenden Unterlagen über potentielle Steuerhinterziehungen der Zürcher Bank durch Scheingeschäfte auf den Kaimaninseln werden — dingdong, unter Berufung auf Schutz des Bankgeheimnisses — weiterhin unter Verschluss gehalten und so der Einsichtnahme zuständiger Finanzbehörden entzogen.

Rein markttechnisch wird auch künftig der Preis für raubkopierte Bankdaten auf hohem Niveau und das Schweizer Bankgeheimnis ein lukratives Geschäft bleiben — sowieso.

EDIT 14.04.2011:
Wegen ähnlicher Bimbes-Geschichten überlässt Bär dem Grossen Kanton grosszügig eine Portion Peanuts:


Rätselmild

8. April 2011

Nach dem Monstererfolg zuletzt gleich noch ein (zugegeben) ziemlich banales Bilderrätsel hinterher:


Grössenwahn

9. Oktober 2010

Im Zuge der weltweiten Finanzkrise wurde seit 2008 jede Menge Kohle verheizt, um einen drohenden Kollaps zu verhindern. “Global banks are global in life, but national in death” stellte der Chef der Bank of England dazu lapidar fest. Es erschien volkswirtschaftlich rentabler marode Grossbanken staatlicherseits zu stützen oder gar aufzukaufen, als angesichts eines nationalökonomischen GAUs eine Weltwirtschaftskrise durch Domino-Effekt zu riskieren. Die tradierte Krisenerfahrung innerhalb der Bankenwelt — der Staat wird im Notfall schützend eingreifen — wurde so in ihrer Gewissheit weiter bestärkt.

Jungbroker feiern Kasino-Kapitalismus

Grossbanken erhalten Fremdkapital zu vergünstigten Zinsen aufgrund der quasi staatlich garantierten Kreditwürdigkeit. Mit dem billigen Geld gehen die Bonusjunkies enorme investive Risiken ein, wobei wiederum staatliche Hilfe bei Misserfolg in die Kalkulation mit eingeht. Eine möglichst niedrige Eigenkapitalquote erhöht die Rendite und die Spekulation mit geliehenem Geld ist dank Hebelwirkung hochattraktiv. Ein eventuelles Scheitern systemrelevanter Grossbanken hinterlässt ein volkswirtschaftliches Fiasko — die Staatsfinanzen von Island und Irland lassen grüssen.

Hinzu kommen handwerkliche Fehler:

Es steht doch fest, dass die Krise von Finanzspezialisten verursacht wurde, die perverse Risikoberechnungen angestellt haben. Und die Banker, letztlich wir alle haben diesen mathematischen Modellen vertraut. Nun muss man wissen, dass viele dieser Spezialisten ehemalige Mathematiker und Physiker sind, Männer und Frauen also mit meiner Ausbildung.
Tatsache ist, dass vor allem die zweitklassigen Physiker zu den Banken abgewandert sind. Kein Wunder, haben die jetzt, ich kann es nicht anders sagen, Scheisse produziert. Die haben vor allem davon profitiert, dass kein Mensch verstand, was sie eigentlich taten. Erstklassige Physiker hätten solche Modelle niemals entworfen.

(aus einem Interview mit dem Astrophysiker Ben Moore)

 

In der Schweiz übersteigt die aktuelle Bilanzsumme der beiden Grossbanken Union de Banques Suisses (UBS) und Credit Suisse (CS) die inländische Wertschöpfung um das vierfache! Die Bilanzsumme der Deutsche Bank beträgt immerhin 80% der deutschen Wirtschaftsleistung.

Im testosterongesteuerten Finanzgeschäft dominiert die triebhafte Lust an Unterwerfung, Gier und Herrschaft und neigt systembedingt zur Übertreibung. Die zwitterhaft entstandene Finanz-Aristokratie mit ihrem ausgeprägten Individualismus als subjektiven und absoluten Massstab hat einen verzerrten Blick auf das grosse Ganze. Eine Zerschlagung der too-big-to-fail-Banken ist notwendig, um dem assymetrischen Risikogebaren (wenn es schief geht passiert nix, wenn es gut geht, rollt der Rubel) den Boden zu entziehen.

Das ganze Finanzsystem beruhte schon immer darauf, dass die “kleinen Leute” ALLES zahlen: Wer zahlt Miete? Wer bringt sein Geld auf die Bank? Wer zahlt Zinsen und Renditen auf alles mögliche? Wer arbeitet für den Reichtum der Reichen? Wer zahlt Steuern? Schlimmer kann es sowieso nicht mehr werden. Nur die Wege, wie das Geld zu den Banken und Reichen fliesst, ändern sich etwas. Immer Trickle-Up.

(Leserbriefschreiberin Nadine Binsberger)


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