Mercury 13

21. Januar 2020

Was wäre wenn ein Sowjetmensch den ersten Fussabdruck im Mondstaub hinterlassen hätte — dieses Szenario  thematisiert «For all mankind», eine US-Serie, von der die ersten zehn Folgen seit Herbst 2019 als Stream verfügbar sind. Das Wettrennen zum Mond verlieren die USA darin gleich zweimal, da die Sowjetunion auch die erste Frau erfolgreich landen. Die Mischung von Fiktion und Geschichte erlaubt dem Drehbuch das tatsächlich privat initiierte Mercury 13-Programm als NASA-Projekt erscheinen zu lassen und blendet Frauen-Demos mit «A woman’s place is in space»-Plakaten als alternative Fakten ein. Bereits 1960 sollte durch Mercury 13 bewiesen werden, dass Frauen durchaus weltraumtauglich sind, doch erst 1978 änderte die NASA schliesslich die Zulassungsbedingungen und schoss 20 Jahre nach der ersten Kosmonautin ihrerseits eine Frau ins All. Mir war das reale Mercury 13 völlig unbekannt, Walentina Tereschkowa dafür ein Star in einer Reihe mit Laika, Yuri Gagarin und Neil Armstrong.

Die erfundene Story endet einstweilen auf dem Mond, wo Astronauten und Kosmonauten am Südpolkrater Shackleton konkurrierend einen Rohstoff abbauen, nämlich Wassereis. Der kalte Krieg wird selbst dort oben etwas sinnfrei weiter geführt, ist wohl so ein Ami-Ding, denn auch in Ad Astra sind militärische Auseinandersetzungen auf dem Erdtrabanten üblich. Musikalisch spannt sich der Bogen von den Sixties durch die Seventies bis in die Eighties, von Ruffins «What becomes of the broken hearted», Bowies «Moonage Daydream» zu «Everybody wants to rule the world» von Tears For Fears. Eine eigentümliche Phantasterei, welche ihre Dramatik aus Eventualitäten gewinnt, deren irdische Komponenten (SS-Mann von Braun wird noch zu Lebzeiten demaskiert, Präsident Nixon wird Watergate verziehen) Zeitzeugen gegenüber arg übersteuert daher kommen. Serieller Quatsch halt.

Nach dem Abspann dann ein Steve Jobs-artiges «one more thing», when eine Big Fucking Rocket majestätisch aus dem Meer gen Himmel steigt und ihre Triebwerke knapp über der Wasseroberfläche zündet. Die kontrollierte Rückführung der erste(n) Stufen hätte ich bitte gerne von SpaceX als Wasserballett oder Synchronschwimmen inszeniert.


Eiszwerge

2. Januar 2019

Mit Peanut Ultimate Thule als Planetesimal hat die NASA ihren Spass. Mal schauen, was für Früchtchen im Kuipergürtel noch auf die Sonde warten…