Licht

3. Dezember 2019


Prima Klima

6. April 2019

Früher war no future heute more. «Gopfrid Stutz jäzz Klimaschutz!» lautet eine der Parolen. Auffällig viele Grosseltern und Eltern. Samstags muss kein Unterricht oder Job geschwänzt werden, und so sind es zu Zürich sicher um die 20.000 Mitläufer.

Kleine und grosse Leute, rote und schwarze Fahnen, Pfadis aus Belgien («On est plus chauds que le climat!») und klimastreikende Frauen, die schon jetzt zum Frauenstreik am 14. Juni aufrufen. Manche müssen erst noch lernen ihr Transparent

plakativ zu gestalten, andere sind Dosenbier trinkend schon nach wenigen Metern nicht mehr ganz klimaneutral und ziemlich heiser. Einige grüssen, Kundschaft aus der weiten Gemeinde und ich frage mich, wo und wie man den Funk nach Frankfurt zur Zeitmessung unterbricht. Eine Turmuhr zeigt in der Stadt bereits fünf vor zwölf.

Alle sind gut drauf, sogar die Nachhut, welche mit Abfallgreifern und Kübeln ausgerüstet all das aufsammeln, was die Vorgänger auf dem Weg verloren bzw. liegen haben lassen. Saubere Sache denke ich noch, Schweiz nur Hilfsausdruck.


Zwinglich

18. Januar 2019

Der Theologe Ulrich Zwingli steht im Mittelpunkt eines aufwändig produzierten Films, welcher den Beginn der Reformation in der Eidgenossenschaft historisch korrekt abzubilden versucht. Die stürmischen zwölf Jahre, in denen Zwingli in Zürich als Leutpriester prägend wirkte, werden nahezu vollständig und fast wie im Zeitraffer abgehandelt. Tricktechnisch wird Zürich nahezu perfekt in die Mittelalterliche Ära gebeamt. Schwarze Pest, Ertränken von Täufern, Verbrennung von Reformatoren und schliesslich Zwinglis Tod selbst auf dem Schlachtfeld sind die eher düsteren Seiten der Erzählung. Armen- und Krankenfürsorge, Volksbildung sowie Aufhebung von Leibeigenschaft und Zölibat die hoffnungsfrohen Botschaften der gesellschaftspolitischen Neuordnung. Im Film knapp erwähnt der Disput mit dem nördlichen Kollegen Luther («Menschenfresser»), der alsbald zu einem Riss in der Bewegung führen sollte. Erst 1973 wurde im Konkordat von Leuenberg das 450 Jahre andauernde Schisma des Protestantismus beseitigt. Wie sich Zwingli vom Humanisten zum Kriegsherrn und -treiber entwickeln konnte, ist in der Auseinandersetzung mit den radikalen Täufern bereits angelegt – tendenziell korrumpiert Macht. Huldrych (Huld-reich – so nannte er sich nach glücklich überstandener Pest) war auch nur ein Kind seiner Zeit und bis zur Aufklärung sollte es schon noch etwas dauern.

Dafür bleibt im über zweistündigen Film mehr als genug Zeit und Raum für so ziemlich alles Wesentliche aus der Anfangszeit der Reformation in ZH/CH: Söldnerwesen, Wurstessen, Ikonoklasmus, Aufhebung der Klöster, Glaubenskrieg. Im Abspann wird der in Zürich berühmten Wiediker Wursterei Keller gedankt, hahaha. Doch nicht lokale Interessen stehen im Vordergrund,  deutlich tritt die Konzeption für den massenmarkttauglichen Mainstream zu Tage. Fast alles und jedes damals wie heute aktuelle Thema (Selbstbestimmung, Emanzipation, Demokratie, mediale Deutungshoheit, Framing bis hin zu Fake News) ist erkennbar doppelt vorhanden: als Reflexion vom realen Jetzt ins fiktive Damals und als Echo unverzerrt retour in die Echtzeit. Zum Film hat die Produktionsfirma das didaktische Begleitmaterial gleich mit aufgelegt, so dass in Bälde ganze Schulklassen ins Kino pilgern werden, zumal mit 12 Jahren die Altersbeschränkung recht grosszügig ist. Zwingli macht frei.

Die reformierte Kirche hat durch Mitfinanzierung den Film ermöglicht und termingerecht einen adretten Markenbotschafter zu den 500-Jahre-Feierlichkeiten in der Deutschschweiz geliefert bekommen. Doch wollte Jeschua nie eine Kirche gründen, Zwingli keine Kirche der Angst und Unterdrückung, keinen Ruhm. Und ob bei Gross und Klein der Subtext der Disruption, ganz so wie der philosophische Medienpirat Stefan M. Seydel es in der Zwingli-Geschichte  zu enträtseln vermag, wirklich ankommt?


Los Hamburgués

5. Dezember 2018

Hamburg Weltstadt stolz und reich und arm und würdelos. Eine völlig verlebt und zerlumpt aussehende Person schiebt ihre Sieben-Wagen-Karawane, bestehend aus schäbigen Trolleys und Einkaufswagen, wechselweise fünf Schritte das Trottoir entlang. Stau im Pyramidenbau nur Hilfsausdruck. Die Emsigkeit und Akkuratesse dieser seltsamen Performance steht im völligen Kontrast zu der nach wahllos zusammen gelesenen Müll aussehendem Ladung der übervollen Transportmittel. Petflaschen mit trübem Inhalt und andere erbärmliche Habseligkeiten sind eher zu erahnen als erkennbar, weil aus empfundener Scham gegenüber dem rastlos und ungerührt agierenden Menschen einerseits lieber nicht so genau hingeschaut wird, andererseits es nicht wirklich interessiert. Ein trostlos bleiernes Grauschwarz in der vifen Urbanität der agilen Neustadt. Unwirkliche Abscheu gepaart mit Staunen über die fast choreographiert wirkende Aktion stellt sich ein, dazu ein heimlicher Blick zurück. Watsdat?! Aber ja, die anderen Passanten haben es auch gesehen und ebenso sprachlos nicht reagiert. Das Elend in Teutoniens Metropolen wirkt krass im Vergleich zu der helvetischen Insel. Handkehrum fällt der Ex-Sozialministerin aus D das Fehlen solcher Strassenszenen hierorts sofort auf. Selber an der Armutsfront tapfer kämpfend kennen wir natürlich Obdachlose, arme Schlucker, Sans-Papiers und Wanderarbeiter. Aber nicht in solch drastischen Ausschmückungen wie im Harz4land. Sogar im beschaulichen Schwabenländle sind Bettler, Strassenmusikanten und herumlungernde Menschen in den Innenstädten gewöhnlich, in Zürich all dies unter Androhung von Wegweisung aber strikt untersagt. Wenn halbe Zombies durch die Berliner U-Bahn schwankend mit der “haste mal”-Forderung auf Kleingeld drängen, ist für glückselige Inselbewohner derart direkte Konfrontation nur erschreckend. Ein diffuses Gefühl keimt auf: wir sind reich, weil ihr arm seid. Wenig später beim Michel, eine beinah noch groteskere Szenerie. Wo innen wahrhaftig ein Geschäftsführer tituliert, wird aussen überm Hauptportal Satan vom namensgebenden Erzengel stolz mit dem Kreuze bezwungen. Gleich nach dem Sieg dann drinnen das unübersehbare Schild mit der Bitte, gefälligst (s)einen Obulus abzulassen.


За здоро́вье Pеволюция!

8. November 2017

Karl Marx, Marxsekt,Chüpplimarxisten


Maifeier

3. Mai 2015

Der Musik-Gottesdienst im Offenen St. Jakob stand ganz im Zeichen von Freiheit, Widerstand und Anarchie. Derweil der musikalische Spannungsboten von “Die Gedanken sind frei” über “Bella Ciao” bis zur “Internationale” führte, las der selbstbewusste Pfarrer der selbstoptimierten Leistungsgesellschaft leidenschaftlich die Leviten, da jene offensichtlich und vordergründig völlig entspannt die permanente Auto-Ausbeutung propagiere und durchsetze. Ein klares (äusseres) Feindbild gehe bei diesem subversiven Mechanismus völlig abhanden und bei Auflehnung kehre sich die Energie destruktiv nach innen und generiere die zeitgenössische Depression, den Burn-Out.

Als Gegenentwurf wurde ein herrschaftsloser Zustand der Anarchie skizziert, sowieso eingeschränkter Konsum und mehr Mut zur Freizeit. Selbst bei der Kollekte betonte der Vortragende, dass es vermutlich besser sei einfach einem Bedürftigen auf der Strasse das Geld in die Hand zu drücken, als damit den Opferstock zu füttern. Die kleine Gemeinde war durchwegs beeindruckt von dieser Maifeier und der Hobbyschweizer trällerte zum Feierabend noch fröhlich den Refrain von Solidaritätslied…


Juche

24. März 2015

Stickstoffverbindungen aufm Mars, Grexident, versiegender Golfstrom und Naziversteck im Südamerikanischen Dschungel. Dies alles spielt im der real existierenden Juche-Universum der Demokratischen Volksrepublik Korea keine so prominente Rolle. Dort geht es um weitaus wichtigere Dinge, beispielsweise:

  • die Verbesserung des Lebensmilieus für Zugvögel in der DVRK
  • die Bildung von Vorbereitungskomitees zum Tag der Sonne
  • den Weltwettertag
  • die vollständige Abschaffung des Steuersystems
  • und die blühende Kimjongilie

Kimjongilie, Begonie, Blumenschmuck

Mehr über die diffizile Aufzucht und Pflege der Kimjongilie hier

Weitere interessante Meldungen Preziosen werden von der Stimme Koreas weltweit kund getan, wobei Stimme hier wortwörtlich gemeint ist und unbedingt gehört werden muss! Von ihr erhalten fragend navigierende Webtouristen genau jene Antworten, die sie hören sollen. Zwar scheint die Stimme Koreas noch auf Web 0.9 zu basieren, doch trotz zäher Ladezeiten lohnt der Ausflug allemal.


Zureich 2014

22. Juni 2014

Gentrifizierung, Wem gehört Zürich, Gentrifizierung Zürich

Verdrängungsproblematik ist auch in Zürich ein Thema


Kontradiktion

16. September 2013

Blinder Pianist begleitet charismatischen Anarchisten


Griechische Mythologie

24. Dezember 2011

Κάπου στήν Ελλάδα