Aux Armes EU-SALT

20. Mai 2019

Lieber Schengen als pengen — neues Waffenrecht in CH. Howgh.


Zwinglisch

8. April 2019

Der olle Wintermann musste sich zum Zürcher Frühlingsfest Sächsilüüte eine Zwinglikappe überziehen, bevor es ihm den mit Schwarzpulver ordentlich gefüllten Grind als beliebtes Sommerorakel schlussendlich krachend zerriess. 1064 Sekunden hats dann doch gedauert, eine eher mittelmässige Prophezeiung fürs Zwingli-Jahr 2019 also. Diese aber darf wegen Klimawandel getrost noch etwas angepasst werden. Weil Aberglaube bringt Unglück. Sowieso. Seltsam bleibt auch, dass bei dem kostümierten Umzug weiterhin nur Männer paradieren, während willfährige Frauen diesen auf dem Weg Blumen überreichen. Wohl gibt es eine Frauenzunft, welche jedoch nicht offiziell, sondern nur als Gast und bis 2022 befristet verschämt mit tun darf. Den sturen zünftigen Patriarchen sollte es mal ruhig den ganzen Sommer verhageln…


Tunnelblick

28. Juli 2016

Die Schweizer Botschaft in Berlin feiert ihre neue Gotthardröhre gut sichtbar auf dem Dach ihres Gebäudes:

Tunnel, Botschaft Berlin

Zumindest teilweise auf Schweizer Staatsgebiet liegend gibt es ja noch DEN Tunnel, in welchem es kaum Geschwindigkeitsbegrenzung, aber möglicherweise Schwarze Löcher zu bestaunen gilt, sofern keine kleinen Pelztiere den Stromfluss unterbrechen.


Knallköpfe

12. April 2015

Alle Frühjahr wieder feiert Zürich zünftig Zürich und lässt einen Pappmaché-Schneemann in die Luft fliegen. Diesmal aber feiert Zürich Zürich und lädt Zürich ein!

Sechserläuten 2015, Sechsilüüte, Zürcher Sechsilüüte, Sechserläuten Zürich 2015, Böögg

Weil 2015 kein anderer Kanton Gast sein wollte (nach Luzern sagte auch Liechtenstein ab) erklärte sich der die Stadt umfassende, umschliessende und dazu auch noch gleich benamste Kanton bereit kurzfristig einzuspringen. Was für ein Chlapf.


Knabenscheissen

17. September 2014

Verkackt haben wieder mal die Jungs: Melinda hat nach Stechen klar gewonnen und ist die juvenile Regentin des Sturmgewehrs 90 aka SIG 550. Die Schiessprügel sind übrigens ohrenbetäubend laut; interessant aber, dass trotzdem viele Schaulustige kommen, obwohl es deutlich mehr auf die Ohren als für die Augen geben tut.

Knabenschiessen 2014, Schiessanlage Albisguetli, Knabenschiessen Zürich

Sowieso geht man ja nicht wegen der Schiesserei auf das Festgelände, sondern wegen Zuckerwatte & grossen Kinderaugen. Die malträtierten Ohren wurden wie üblich durch die legendäre Ruth-Orgel von 1906 etwas besänftigt, quasi Klangoase. Diesmal spielte olle Ruth just “Berliner Luft” — geht doch.

Orgelwagen Kanbenschiessen, Orgelwagen Fa Buser, Ruth36 Orgel

Und ja, der Hobbyschweizer war auch drin in der Orgel…


Blutdurst

5. August 2013

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht
Spacelabs fallen auf Inseln, Vergessen macht sich breit
Berge explodieren, Schuld hat der Präsident
Graue B-Film-Helden regieren bald die Welt

bloodhunt, blutjagd, Lenkwaffen Stellung Schweiz, schweizer militär

Idyllische Kreuzung im Zuger Land


Manövergebiet

4. September 2012

Nachbar Albert liebt schneidige Panzermanöver im Vorgarten. Unter den stieren Augen von Gartenzwergen & Co. übt sein funkgesteuerter Spielzeugtank sehnsüchtig Blitzkrieg. Ein eingebauter Soundchip suggeriert Dieselatmosphäre, Maschinengewehrfeuer und eine heftige Panzerhaubitze. Der kleine Junge im Nebengarten reagiert bereits leicht verstört sobald der Panzer gefechtsbereit in Stellung geht und ergriff nach einem überraschend vorgetragenen Frontalangriff schreiend die Flucht.
Spielzeugpanzer, ferngesteuerter Panzer

Vor ein paar Tagen präsentierte Albert im Garten stolz seinen neuen Prototyp: ein noch zu tunendes Panzer-Chassis in Go-Kart-Grösse steht bereit zum Aufrüsten; Albert verspricht die Manövertauglichkeit innert 18 Monaten — ich bin jetzt schon gespannt auf die digitale Akustik…


Schiffeversenken

18. August 2011

Der Höhenflug des starken Franken wird souverän verteidigt von der “besten Armee der Welt” — gerade auch in und aus der Luft. Der Hauptstützpunkt der Luftwaffe befindet sich bei Payerne in der Broye, zwischen den Kantonen Fribourg und Vaud. Gleich in der Nähe des grössten Schweizer Kriegsflughafens liegt der Neuenburger See, über welchem Flugmanöver und das Feuern auf Wasserziele geübt werden.

Während die Tourismusagenturen den Schilfgürtel des südlichen Seeufers als erholsames Biosphärenreservat kommunizieren, tobt darüber der simulierte Luftkampf.

Nur geschossen wird ausserhalb der Badesaison.


Stadt Land GAU

14. Februar 2011

Das Land will die Armeewaffe im Haus, die Städter lieber im Zeughaus. Deutschschweizer sind bis auf Basel-Stadt und Zürich ganz traditionell Bürgersoldaten, Westschweizer bis auf Fribourg für Abrüstung. Männer schiessen gerne scharf, Frauen eher weniger. Alle Faktoren zusammen ergeben ein Endergebnis von 56 zu 44 zugunsten des helvetischen Schützenvereins.

bewaffnetes Vorratslager

Röstigraben, Stadt-Land-Gefälle, Mann-Frau-Furche — der eidgenössische Kleingarten erscheint etwas zerklüftet. Der konservative Humus bleibt jedoch weiterhin bestimmend: Volksabstimmungen mit nationaler Tragweite fielen zuletzt allesamt zugunsten der rechts-bürgerlichen Mehrheit aus.

Eine noch strahlendere Zukunft erwartet im Kanton Bern dem Hochnebel zum Trotz die (ländliche) Mehrheit durch den Neubau eines Atomkraftwerkes.


Entrüstung

13. Januar 2011

Im herzigen Stimmungslokal Schweiz lockt Mitte Februar 2011 schon wieder ein Blockbuster an die Wahlurne: die Waffenschutz-Initiative fordert die Heimabgabe von Armeewaffen zu beenden, die Einführung eines zentralen Waffenregisters sowie für Waffenträger einen Bedarfs- und Fähigkeitsnachweis. Überflüssige Schusswaffen sollen aus dem Verkehr gezogen und die zahlreich zu Hause gelagerten militärischen Schiessprügel fortan in den lokalen Zeughäusern gelagert werden.

Waffenlobbyisten und andere Schiessbudenfiguren argumentieren, dass nur ein Staat, welcher seine Bürger fürchte, diese zu entwaffnen strebe. Ein wirklich entwaffnendes Argument: freies Schussfeld für freie Bürger.

Sockenschussgefahr: Co-Präsident der vereinten Initiativgegner

In jedem dritten Schweizer Haushalt befindet sich eine Feuerwaffe. Nach den USA und Jemen liegt die Schweiz in Bezug auf die Waffendichte auf Platz drei. Bei Suiziden mit Schusswaffen sind die Eidgenossen Europameister: mit einem Anteil von 34% treffen sie bei fast 10% Vorsprung auf Vize Finnland mehr als dreimal häufiger ins Schwarze als der europäische Durchschnitt.

Ebenso wie bei den vorherigen Angst-Kampagnen der SVP («Schweizer wählen SVP» ist der urchig-völkische Slogan für die Parlamentswahlen im Herbst) schafft auch bei dieser, das rechte Nationalverständnis empfindlich berührenden Kampagne, die teutonisch geführte Werberkameradschaft die visuell drastischste Zuspitzung der Zielvorgabe:

qualmender Fremdländer + rauchender Colt = kalter Schweiss


Delikat Essen XXIII

4. Oktober 2010

Siebenschüssiger Kaltmacher im Café Remor, Gèneve.


Schiesstrieb

5. Mai 2010

Aufgeräumte Menschen werben freudig erregt für den Schusswechsel im Feld:

Hinter dem weltweit grössten Schützenfest steht natürlich die Lobby der Waffenfetischisten und das ausrichtende OK erklärt im Grusswort ganz putzig:

Das OK hat sich für das Feldschiessen Tafers aber auch etwas Neues und Besonderes einfallen lassen:
Wir haben einen Wandkalender für das Feldschiessen Tafers produziert!

Aha, einen Wandschmuck also.
Passend zu den üblichen Trophäen?

Hauptsächlich aktive Schützinnen (auch mit nationaler und internationaler Erfahrung) aus dem Sensebezirk sowie aus dem näheren Schiessumfeld Tafers haben für den Kalender mit einer Prise Erotik posiert.

Waidmanns Lust ist Waidmanns Heil!
Waidmanns Dank!

Mit voller Stolz können wir auf das entstandene Produkt schauen und sind der Überzeugung, dass dieser Kalender nicht nur den Schützen- und Schützinnen des Sensebezirks und der restlichen Schweiz viel Freude bringen wird, sondern auch für jeder Mann bzw. Frau, welche sich an ästhetische Bildern erfreuen können.

Warum haben die nicht gleich voller Stolz ein Kalenderblatt als ästhetischen Fangschuss plakatiert…


Landigeister

25. September 2009

Die geistige Landesverteidigung ist eidgenössische Metapher für die hiesige Spezialität der Abgrenzung nach Aussen und kulturellen Konzentration auf heimatliche Werte. Diese Art wehrhafter Igelstellung wurde in den 1930er Jahren ursprünglich als antifaschistisch geprägter urchiger “Landigeist” mystifiziert. Noch heute aber spukt jenes Überbleibsel aus heissen und kalten Kriegszeiten speziell in patriotisch gesinnten Köpfen. Beim wilfing schliesslich auf der Hauptseite der heute cybertechnisch gut ausgerüsteten ambulanten Landesverteidiger angelangt, überkam mich ein ungläubiges Staunen über die dort ausgebreitete Banalität helvetischen Gedankengutes mit ordentlich rechter Schlagseite.

Die von einem aus der Ex-DDR (!) stammenden Versicherungsvertreter in seiner angeblichen Funktion als “stellvertretender Pressesprecher” betriebene Internetpräsenz geistige-landesverteidigung.ch bietet neben national-paranoidem Geschwurbel ausserdem diverses “infowar”-Material für den weltläufigen Verschwörungstheoretiker. Am Fuss jeder Seite steht “Unsere Webseite darf aus rechtlichen Gründen nur in der Schweiz genutzt werden.” (Ist dem wirklich so? Kann man vom Grossen Kanton aus nicht auf die landesverteidigende Seite zugreifen?) Unter Nutzungsbedingungen befindet sich der Hinweis: “Telefonate werden mitgeschnitten. Sie erklären sich damit bei einem Anruf einverstanden.”
Das Versicherungsgeschäft scheint eine ausgewachsene Phobie zu erzeugen!

Neben kruden Podcasts – angeboten auf der Subdomain radio-freie-schweiz.ch – stellen die entgeisterten Landesverteidiger auf ihrer Internetbastion jovial Gratis-Banner zur Verfügung, welche aufrechte Eidgenossen zum Schutz vor dem inneren Schweinehund und der Verteidigung ihrer Lieblinge anhalten:

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Innerer Feind? Fast 100 Selbstmorde mit Ordonanzwaffen jährlich!

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Mit dem automatischen Sturmgewehr nationale Patina verteidigen!

Wirklich amüsant süffisant: ein gelernter Ossi stellt anständigen Schweizern den Hort von Freiheit und Demokratie zur Verteidigung anheim…


Schussfolgerung

23. September 2009

infolgeknaben


Ausschuss

12. September 2009

Beim traditionellen Knabenschiessen spielt das bewährte Sturmgewehr der Schweizer Armee eine Hauptrolle. Halbwüchsige Knaben und schiessfertige Meitli haben beim Abfeuern der ausgewachsenen Armeewaffe mordsmässig Spass und erhalten zudem eine Gratiswurst bei diesem quasi stammestypischen Initiationsritus der Zürcher Helveten.

Einen lesenswerten historischen Hintergrund (nicht nur) des Knabenschiessens liefert hierzu brauchtumschweiz.ch:
Jugendliche Schiesswut wird – gesellschaftlich akzeptiert und kanalisiert – schliesslich militärisch prima verwertbar.

Eigentlich sind die Zürcher mit ihren beliebten volkstümlichen Feiertagen ja ziemlich sparsam: neben der frühjährlichen Böögg-Einäscherung ist auch das herbstliche Knabenschiessen lediglich ein halber Feiertag. Bis Mittag wird brav gearbeitet, erst in der zweiten Hälfte des (Mon-)Tages wird gefeiert gezündelt respektive geschossen.

knabenruhe

Angenehm flauschig ist das Verlässliche: am Dienstag nach dem Ausschiessen wird wieder zu den üblichen Zeiten bedient…


Milizion

1. September 2009

Für die Wehrhaftigkeit der einst tapfer reislaufenden Eidgenossen steht in geradezu fundamentaler Weise das helvetische Milizsystem, eine kriegerisch klingende Bezeichnung für die Bereitschaft des Einzelnen zum Wohle des Gemeinwesens freiwillig mitzutun. Nach landläufiger Meinung gehört zu diesem Mittun unbedingt eine ausreichende Bewaffnung, schliesslich sind Staat, Freiheit und Eigentum einer permanenten Gefahr ausgesetzt. Das hier leicht verpixelt wiedergegebene Emblem von proTell (eine “Bürgerrechtsorganisation” à la National Rifle Association in den USA) ist ein naiv erscheinendes Symbol für die von bestimmten Kreisen geforderte Aufrechterhaltung der allgemeinen Wehrbereitschaft.

potell

Der für die Bildung einer Nation wünschenswerte Gründungsmythos ist im Tyrannenmord Tells geradezu märchenhaft dargestellt: äussere Gefahr und drohende Unterdrückung wird freiheitsliebend durch aktives Einschreiten bekämpft und resultiert in einem einig Bund.

Eine wesentliche Rolle spielt bei diesem militanten Thema ein weiterer helvetischer Mythos, nämlich die uneinnehmbaren Alpenfestung, das “Réduit”. Hierzulande hält sich hartnäckig die Meinung, dass die schiere Wehrhaftigkeit der quasi eingeschlossenen Eidgenossenschaft eine drohende Unterjochung durch das Dritte Reich und dessen Verbündete einst verhinderte. Allmählich erst setzt sich die Erkenntnis durch, dass die neutrale Schweiz den faschistischen Achsenmächte auch als sicheres Transitland, stabile Bank und zuverlässiger Munitionslieferant diente.

In der Schweiz ist die Heimabgabe der Schusswaffe während der Militärzeit grundsätzlich üblich. Auf Wunsch geht die Dienstwaffe nach erfolgter Ausmusterung ganz in das persönliche Eigentum über – diese Art der Volksbewaffnung ist weltweit einmalig!

Die Gegner der Heimabgabe der zahlreichen Ballermänner verweisen auf die Unfälle und Verbrechen, welche mit Dienstwaffen wie dem traditionell im Stubenschrank aufbewahrten Schweizer Sturmgewehr immer wieder vorkommen.

Mit geschätzten 2,5 Millionen Schusswaffen in ca. 3,5 Millionen privaten Haushalten wird sich die Schweizer Schiesswut noch etwas länger austoben und die vernunftbetonte Abrüstung dauern.