Komplizenschaft

Das Zentrum für politische Schönheit verblüffte im grossen Kanton jüngst mit einem geschickt eingefädeltem Millionengeschäft und sucht nun vorsorglich weitere Teilhaber und Komplizen, welche am grossen Erfolg gerne partizipieren möchten. MAZ ab!

Delikat Essen CXI

Surplus, das

Nach der Theorie des Historischen Materialismus wird unter Surplus verstanden, wenn mehr Wert erwirtschaftet wird als für den eigenen Gebrauch und Erhaltung der Arbeitskraft notwendig ist. Dieser zunächst rein bäuerliche Überschuss ist bei dem Übergang zur sesshaften Agrargesellschaft die unbedingte Voraussetzung, damit sich Spezialisierung und Trennung der gesellschaftlichen Tätigkeiten in einer Niederlassung entwickeln können.

Handwerk und Handel, Kunst und Kultur sowie politische und militärische Tätigkeiten bilden sich so erst heraus und erzeugen ein völlig neues gesellschaftliches Machtgefüge, wobei schon nach wenigen Permutationen nicht mehr klar zu erkennen ist, wer welchen und wie viel Wert für den gesellschaftlichen Reichtum schafft und dieser in der Folge schlicht einfacher zu privatisieren ist – sei es durch rohe Gewalt oder politisch bzw. ideologisch motivierte Manipulation.

Hat eine Bank den sublimierten Wert in Geldform alchemistisch gespeichert, gibt sie diesen so leicht nicht mehr her, da sie damit noch mehr Wert schöpfen kann. Die fratzenhafte Überzeichnung der gesellschaftlichen Akteure lässt die beschriebene Transformation als gespenstisches Schattenspiel erscheinen, wo eigenes Handeln und Tun kaum mehr eindeutig als Ursache und Wirkung zu Tage tritt.

Vodookapitalismus

Der Fetischcharakter von Waren führt über den Fetisch Geld schliesslich zur Fetischierung von gesellschaftlicher Macht. Ohne es wirklich zu bemerken verfängt und verheddert sich der Mensch in der kapitalistischen Produktionsweise permanent und unaufhörlich wie in einem Spinnennetz. Im Fortgang wird durch die Abstraktion von Macht und Einfluss die physikalisch teilbare Welt nicht mehr als ein Ganzes gesehen, was negative Auswirkungen bis hin zur Selbstzerstörung hat. Die Aufforderung der Schöpfungsgeschichte wird somit pervertiert: der Mensch macht den Menschen selbst untertänig, gebiert alsbald das gefrässige Untier Kapital und lässt dieses schliesslich seinen eigenen Garten Eden erbarmungslos ausbeuten.

Gut, wenn man das Plus im Herzen trägt und das Bewusstsein das Sein bestimmt.

Delikat Essen CII

Vitamin D – physiologisch gar kein Vitamin sondern Hormon, wird im Körper gebildet wenn UV-Licht unserer Sonne drauf scheint und nützt anscheinend bei Sars-Cov-2. Es braucht sicherlich keine Nahrungsergänzungsmittel, nur frische Luft und Licht für mindestens eine halbe Stunde am Tag. Vielleicht dazu noch eine kleine Prise emotionale Intelligenz plus Granularität. Und falls 3000er im T-Shirt, dann Vitamin D sowieso nur Hilfsausdruck…

Los Hamburgués

Hamburg Weltstadt stolz und reich und arm und würdelos. Eine völlig verlebt und zerlumpt aussehende Person schiebt ihre Sieben-Wagen-Karawane, bestehend aus schäbigen Trolleys und Einkaufswagen, wechselweise fünf Schritte das Trottoir entlang. Stau im Pyramidenbau nur Hilfsausdruck. Die Emsigkeit und Akkuratesse dieser seltsamen Performance steht im völligen Kontrast zu der nach wahllos zusammen gelesenen Müll aussehendem Ladung der übervollen Transportmittel. Petflaschen mit trübem Inhalt und andere erbärmliche Habseligkeiten sind eher zu erahnen als erkennbar, weil aus empfundener Scham gegenüber dem rastlos und ungerührt agierenden Menschen einerseits lieber nicht so genau hingeschaut wird, andererseits es nicht wirklich interessiert. Ein trostlos bleiernes Grauschwarz in der vifen Urbanität der agilen Neustadt. Unwirkliche Abscheu gepaart mit Staunen über die fast choreographiert wirkende Aktion stellt sich ein, dazu ein heimlicher Blick zurück. Watsdat?! Aber ja, die anderen Passanten haben es auch gesehen und ebenso sprachlos nicht reagiert. Das Elend in Teutoniens Metropolen wirkt krass im Vergleich zu der helvetischen Insel. Handkehrum fällt der Ex-Sozialministerin aus D das Fehlen solcher Strassenszenen hierorts sofort auf. Selber an der Armutsfront tapfer kämpfend kennen wir natürlich Obdachlose, arme Schlucker, Sans-Papiers und Wanderarbeiter. Aber nicht in solch drastischen Ausschmückungen wie im Harz4land. Sogar im beschaulichen Schwabenländle sind Bettler, Strassenmusikanten und herumlungernde Menschen in den Innenstädten gewöhnlich, in Zürich all dies unter Androhung von Wegweisung aber strikt untersagt. Wenn halbe Zombies durch die Berliner U-Bahn schwankend mit der “haste mal”-Forderung auf Kleingeld drängen, ist für glückselige Inselbewohner derart direkte Konfrontation nur erschreckend. Ein diffuses Gefühl keimt auf: wir sind reich, weil ihr arm seid. Wenig später beim Michel, eine beinah noch groteskere Szenerie. Wo innen wahrhaftig ein Geschäftsführer tituliert, wird aussen überm Hauptportal Satan vom namensgebenden Erzengel stolz mit dem Kreuze bezwungen. Gleich nach dem Sieg dann drinnen das unübersehbare Schild mit der Bitte, gefälligst (s)einen Obulus abzulassen.

Wikingerschach

Glücklich, weil am Ende noch knapp, aber verdient hat Carlsen in seinem ersten Turnier als Weltmeister das Zürcher Schach-Spektakel gewonnen. Der Gegenwind für den Führenden ist tendenziell meist rau — mal abwarten, ob Magnus der Erste seine Segel wirklich so früh streicht, wie manch Szenekundige es bereits jetzt prophezeien. 64 Felder sind sicher nicht die Welt, aber zumindest für die crème-de-la-crème der Schachwelt eine dank zahlungskräftiger Gönner durchaus lukrative Parallelwelt.

Zurich Chess Challenge 2014, Hikaru Nakamura, Magnus Carlsen, Zürich Schach, Schachmuseum Kriens

Die spinnen, die Wikinger

Sah man Model-Athlet Carlsen eben noch im edlen Saale spielend am Schachbrett, findet man den Champ nun auf einem Werbeplakat hängend an der ganz gemeinen Bushaltestelle:

Magnus Carlsen Model, G-Straw Carlsen Kampagne, G-Straw Raw Kampagne 2014, Magnus Carlsen Werbung

Die immerhin von Schach inspirierte Kampagne findet ihre genretypisch virale Verbreitung via youtubeChess for Kids.