Impfkirche

«Wir wussten, dass wir irgendwann Impfstoffe bekommen aber in unseren Praxis-Räumlichkeiten nicht genügend Platz für die Impfaktion wäre. Nach unserer Anfrage bei der Kirchgemeinde und einer Besichtigung der Räume mit dem hilfsbereiten Sigristen fiel schnell der Entscheid, dass sich die vis-à-vis gelegene Kirche optimal für diesen Zweck eignen würde» erklärt Dr. med. Jürg Leuthard von der Medix Notfallpraxis.

Die Citykirche Offener St. Jakob hat eine lange Tradition der teilweise unkonventionellen Kirchen-Nutzung. «Für uns am Standort war natürlich klar, dass wir hier natürlich die Hand reichen und die Räumlichkeiten für diesen Zweck zur Verfügung stellen werden» erläutert Chef-Sigrist Andreas Peter. Die Tradition vom ehedem knapp ausserhalb der Stadt gelegenen Seuchenhauses zu St. Jakob würde so zudem schlüssig fortgeführt. Die gut 300 Impftermine am ersten Tag waren rasch ausgebucht und die Premiere an der ungewöhnlichen Impfstätte ging fast reibungslos über die Bühne, wäre nicht kurz vor Schichtende überflüssigerweise Trulla-Alarm ausgelöst worden.

Es bleibt dennoch der faszinierte Eindruck einer speziellen Aura der Dankbarkeit von den Corona-müden Impflingen haften, welche deutlich wahrnehmbar im Kirchenraum waberte. Vielleicht Heiliger Geist, zumindest auch Vorgeschmack auf Weihrauch 3.0.

(Interviews & Text: Andrea Bauhof)

Jakobsleiter

Nachdem die Resultate der repetitiven Testreihe bei einem Zwischenstand von 10-0 für den Hobbytester gegen das Virus eine deutliche Sprache sprechen, startet als nächste Offensive das lange geplante Impfcenter. Eine weitere Chance zur Immunisierung, zumal in der digitalen Warteschlange auf Vacme innert Minuten alle 54.000 Mai-Termine im Kanton Zürich schnell geklickt waren. Der Umschlag von Quantität in Qualität ist in der reichen Welt bereits erkennbar und sollte rasch erfolgen, will man mutierte Varianten einigermassen im Zaume halten. Hase-Igel nur Hilfsausdruck. Und der olle Jakob freut sich bestimmt angesichts der Karriere vom Siechenhaus zur Impfstation, die uns den Himmel auf Erden wieder etwas näher bringen sollte…

Zügelblitz

Vom Familienbiotyp der Zwergensiedlung ins babylonische Exil

Die Gentrifizierung schreitet auch in der Wohngenossenschaft munter voran und der Hobbyschweizer wurde downgeradet. Halbe Familie, halbes Umfeld. Immerhin einen Raucherbalkon kann er als aktiver Nichtraucher nach Gusto bespielen und die Aussicht auf das Bettenhaus vom Triemli-Spital ist grandios. Auch die Flugkünste der Rettungshelikopter könnte er bewundern, würde er mitts zur Nacht sich von seinem Diwan erheben, um die Flugkurven bis zur Landung zu studieren. Ja – Landeplatz fast vor Nase.

Passende Handkarre zum sozialen Abstieg.

Leider steht ein fieser Nadelbaum direkt im Sichtfeld zum Refugium von Waliser Gastroschlawiner Guisep Fry aka Top of Zurich noch besser bekannt als Uetliberg und daher sind Beobachtungen alpiner Kletterkunst künftig leider erschwert. Aber Klettern momentan ohnehin nicht drin: nach dem Ortswechsel Körper deutlich spürbar, Seele flatternd und Geist (noch) am umherziehen. Next stop Dreieinigkeit.

Testcentertest

A-Note

Zentral gelegen, unweit Arbeitsstelle, viel Veloparkraum. Grosszügiger Zeltbau fungiert als Schleuse. Vorne rein, hinten raus. Empfang freundlich, Wartezeit trotz Termins zu lang.

 

 

 

 

B-Note

Personal professionelles Outfit plus Handling. Ganze Prozedur bis zur Verkündigung satte sechs Stunden – ein Schnelltest geht schneller. Spontane EDV-Havarie berücksichtigt, Hilfspunkt für vorösterlichen Besucherandrang. Ergebnis wie gehabt.

Freiheitswacht

Vermehrt fahren sie Patrouille, die selbsternannten Hilfssheriffs der selbstdefinierten Freiheit. Noch scheinen sie unbewaffnet, bis auf die Augen, die gerne zusammengekniffen, meist aber sonnenbebrillt tunlichst scharf sehen sollen. Mit der für Strassenkreuzer typischen Überlänge ragt das Heck ein gutes Stück weit aus der Parkbucht. Der sich penibel um sein Dienstfahrzeug sorgende Hilfssheriff muss also selbst nach Feierabend auf seinem lautstark knatternden Motorrad noch eine Extrarunde drehen, um allgegenwärtige Bereitschaft und Aufmerksamkeit zu demonstrieren und allfällige Blechschäden möglichst rasch begutachten und weiter melden zu können.

Dass die Patrouille just in diesem Jahr ihr 23-jähriges Jubiläum feiert, sollte doch allen Verschwörern zu denken geben – oddärr!?