Gulagchampagner

Die Infragestellung staatlicher Kunst- und Kulturförderung in der Schweiz findet ihren reisserischen Ausdruck auf der Titelseite der Weltwoche, dem national-konservativen Sprachrohr der geistigen Landesverteidiger. Dort wird behauptet, Kunst komme von Kassieren und man führt Nachforschungen über Kultur-Subventionen durch.

Dass es im Kulturbetrieb Seilschaften gibt, dass es im Gedränge um die besten Plätze am Futtertrog zu Günstlingswirtschaft und Neid kommt ist offensichtlich. Staatliche Kunstförderung und deren Verteilung ist ein wohl bekanntes und immer wiederkehrendes Streitthema: wie viel Kunst soll und kann sich eine Gesellschaft leisten — was kann und soll Kunst leisten? Kann sich in einer modernen Zivilisation Kunst und Kultur den kapitalistischen Marktmechanismen ohne allzu grosse Reibungsverluste aussetzen?

Doch der populistisch getünchte neoliberale Kulturrevisionismus, einhergehend mit der Ab- und Umlenkung einer gerade noch lauwarmen Abzocker-Debatte, ist blosse Propaganda. Aber völlig klar, die plumpe Rechnung muss ja irgendwie halbwegs aufgehen: Künstler sind eher progressiv und weltgewandt, subventionierte Bauern meist konservativ und lokalpatriotisch. Und ein gut abgehangener Anker ist halt währschaft und kein Nestbeschmutzer.

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